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2021

11

2022-11-01T12:00:00

Collaboration

TESTS

018

Collaboration

Kommunikation

Tobit david3

Marke Eigenbau

von Christian Schulenburg

Veröffentlicht in Ausgabe 11/2021 - TESTS

Ein Kollaborationsserver nur für die lokale Nutzung ist im Cloudzeitalter fast schon ein Alleinstellungsmerkmal. Doch gerade bei der Unternehmenskommunikation sind Clouddienste oft gesetzlich nicht möglich oder aus anderen Gründen unerwünscht. Für Aufbau und Betrieb einer lokalen E-Mail-Umgebung steht mit Tobit david3 eine Alternative zu Exchange bereit. Im Test werfen wir einen Blick auf die Administration und den david-Client, um zu schauen, ob david3 vor Ort seine Stärken ausspielt. Das war aufgrund fehlender Dokumentation jedoch nicht so einfach.

Fast alle E-Mail-Dienste scheinen aktuell in die Cloud zu ziehen, doch david3 bleibt seinem Motto "Ask your Server" treu und hält auch weiterhin alle Daten lokal. Den E-Mail-Server entwickelt die Tobit Software GmbH aus Ahaus als Weiterentwicklung von FaxWare seit 1997. Dabei hat sich über die Jahre eine nahezu unerschöpflicher Funktionsumfang aufgebaut. Alles, was ein Team benötigt, soll dabei direkt bereitgestellt werden – egal ob Chat, Echtzeitkommentare zu E-Mails, Telefonie, Videokonferenzen, Termin- und Aufgabenplanung, Fax oder SMS.
Verankert im Dateisystem
Tobit david3 basiert auf einer Client-Server-Infrastruktur. Der Server ist das zentrale Element, er verwaltet sämtliche Nachrichten und sonstige Daten. Dabei lagern die Daten in einer hierarchischen Baumstruktur im Dateisystem inklusive sämtlicher E-Mails und Benutzerinformationen. Datenbanken, wie von Exchange bekannt, kommen nicht zum Einsatz. Während der Installation wird zwar auf Wunsch ein Microsoft-SQL-Server-Express eingespielt, dieser dient aber ausschließlich dem Speichern der Indizierungsdaten.
Tobit davids Konfigurationen lagern in INI-Dateien und alle Eigenschaften lassen sich hierüber steuern. Die Postfächer der Nutzer liegen als eigene Ordner unterhalb des Ordners "Archive" im david-Installationsverzeichnis. Die Ordnerstruktur findet sich dann jeweils in einer "archiv.dir"-Datei wieder. Weiter werden zum Beispiel die User in der Datei "david.usr" unter dem Ordner "Code" abgelegt. Es gibt noch eine Unmenge weiterer Systemdateien und wichtig ist das Verständnis dieser Struktur. Selbst die Rechte der david-Nutzer auf andere Postfächer und Ordner leiten sich aus den NTFS-Rechten im Dateisystem ab.
Fast alle E-Mail-Dienste scheinen aktuell in die Cloud zu ziehen, doch david3 bleibt seinem Motto "Ask your Server" treu und hält auch weiterhin alle Daten lokal. Den E-Mail-Server entwickelt die Tobit Software GmbH aus Ahaus als Weiterentwicklung von FaxWare seit 1997. Dabei hat sich über die Jahre eine nahezu unerschöpflicher Funktionsumfang aufgebaut. Alles, was ein Team benötigt, soll dabei direkt bereitgestellt werden – egal ob Chat, Echtzeitkommentare zu E-Mails, Telefonie, Videokonferenzen, Termin- und Aufgabenplanung, Fax oder SMS.
Verankert im Dateisystem
Tobit david3 basiert auf einer Client-Server-Infrastruktur. Der Server ist das zentrale Element, er verwaltet sämtliche Nachrichten und sonstige Daten. Dabei lagern die Daten in einer hierarchischen Baumstruktur im Dateisystem inklusive sämtlicher E-Mails und Benutzerinformationen. Datenbanken, wie von Exchange bekannt, kommen nicht zum Einsatz. Während der Installation wird zwar auf Wunsch ein Microsoft-SQL-Server-Express eingespielt, dieser dient aber ausschließlich dem Speichern der Indizierungsdaten.
Tobit davids Konfigurationen lagern in INI-Dateien und alle Eigenschaften lassen sich hierüber steuern. Die Postfächer der Nutzer liegen als eigene Ordner unterhalb des Ordners "Archive" im david-Installationsverzeichnis. Die Ordnerstruktur findet sich dann jeweils in einer "archiv.dir"-Datei wieder. Weiter werden zum Beispiel die User in der Datei "david.usr" unter dem Ordner "Code" abgelegt. Es gibt noch eine Unmenge weiterer Systemdateien und wichtig ist das Verständnis dieser Struktur. Selbst die Rechte der david-Nutzer auf andere Postfächer und Ordner leiten sich aus den NTFS-Rechten im Dateisystem ab.
Dokumentation eingestellt
Der E-Mail-Server arbeitet ausschließlich als Single-Server. Es lassen sich zwar mehrere david-Server in einem Netzwerk installieren, diese sind aber eigenständig zu verwalten. Ein Cluster oder andere Möglichkeiten der Hochverfügbarkeit sind nicht vorgesehen.
Um die lokale Version immer auf dem neusten Stand zu halten, bietet Tobit "sitecare" für david an. Dabei handelt es sich um einen Wartungs- und Update-Service, der zunächst mit den Benutzerlizenzen daherkommt und dann immer wieder monatlich oder jährlich zu verlängern ist. Server und Clients erhalten dann automatisch alle paar Wochen ein neues Rollout. Daneben gibt es noch eine Menge von Zusatzdiensten, die sich dazubuchen lassen, die sogenannten "Backline Services". Dazu zählen unter anderem der LookUp-Service, der automatische Übersetzungsdienst und der Virenschutz.
Was wir bei der Einarbeitung in david vermisst haben, war eine ausführliche Dokumentation. Diese wurde nach Aussage von Tobit eingestellt und durch ausführliche Schulungen der Partner und gegebenenfalls der Kunden direkt ersetzt. Vertrieben und gewartet wird david hauptsächlich über ein Partnernetzwerk, das in den meisten Fällen die Betreuung übernimmt. Öffentliche Informationen sind dadurch sehr spärlich. Um in das Thema einen Einstieg zu finden, haben wir eine kurze Einweisung von einem Trainer erhalten.
Als ein Beispiel aus diesem Umfeld sei die einzige Installationsvoraussetzung genannt. Hier spricht der Anbieter lediglich von Windows als Betriebssystem für den Server und nennt weder eine genaue Version noch die spezifischen Hardwareanforderungen. Es wurde nur von einem Computer gesprochen, der "rund um die Uhr laufen und permanent mit dem Internet verbunden sein" sollte.
Problemlose Installation
Den Test starteten wir mit dem Download der aktuellen Version von der david-Homepage, der ohne Registrierung möglich ist. Diese holte uns dann jedoch bei der Installation ein, wo nicht nur eine Registrierung nötig war, sondern auch gleich noch Zahlungsdaten abgefragt wurden, die nach der kostenlosen Testzeit von 30 Tagen zum Einsatz kommen.
Daher führte uns der erste Weg nach der Installation zum Kundenportal, wo wir die Zugangsdaten vom Support erfragen mussten, denn diese wurden uns während der Installation nicht zur Verfügung gestellt. Nach der Anmeldung hatten wir hier Zugriff auf die aktuellen Downloads inklusive Release Notes, Account-Informationen wie Lizenznehmer, Lizenzen und Fachhändler, aber auch zu Informationen wie Umsätze und Zahlungen. Der wichtigste Punkt war aber "Services". Hier lassen sich die david-Lizenzen über sitecare, das wie beschrieben einem Wartungsabo entspricht, aber auch zusätzliche Dienste wie "Message Identification" oder "Virus Protection" buchen. Als Erstes deaktivierten wir sitecare, damit wir nach dem Test keine böse Überraschung erleben.
Die Installation selbst verlief unspektakulär, allerdings mussten wir uns durch mehr als 30 Fenster klicken, die neben dem Installationspfad auch gleich die Konfiguration wie zum Beispiel den Smarthost des Providers oder die Domains abfragten und den david-Server damit direkt vorbereiteten. Softwareseitig bedarf es keiner weiteren Voraussetzungen. Am Ende des Installationsvorgangs wurde auch gleich der david-Client installiert, sodass nach Abschluss sowohl Client als auch der Server einsatzbereit waren.
Die Installation in einer virtuellen Umgebung stellt ebenfalls kein Problem dar, solange sie unter Windows erfolgt. Im Test konnten wir david problemlos auf Windows Server 2019 mit einem Hyper-V-Server in Betrieb nehmen.
Zentrale Verwaltung inklusive Windows-Dienste
Die Verwaltung von david erfolgt mit einem Administrationstool, das sich schnell über das Startmenü öffnen lässt. In dem Programm befindet sich im linken Bereich eine hierarchische Baumstruktur, während der rechte Bereich die zum jeweiligen Menüpunkt gehörenden Daten zeigt. In der Symbolleiste sind neben den "david Diensten" auch Links zu den Windows-Diensten und zur "Ereignisanzeige" hinterlegt, sodass sich diese direkt aus der Administrationsseite öffnen lassen. Sollte sich im Netzwerk noch ein weiterer david-Server befinden, lässt sich der zu verwaltende Server wechseln. Eine gleichzeitige Administration ist nicht vorgesehen.
Die david-Konfiguration schlüsselt sich in die Bereiche "System", "eMail", "Fernzugriff & Publizierung", "Replizierung" sowie "Überwachung und Automation" auf. Die Grundkonfiguration erfolgt unter dem Eintrag "System", wo wir unter anderem die Benutzer anlegten. Hierbei war zu beachten, dass diese bereits im Active Directory vorhanden sein müssen, da ansonsten die Nutzung des david-Clients nicht möglich ist. Alternativ zum manuellen Anlegen lässt sich ein User automatisch erzeugen, sobald der david-Client gestartet wird und auf den david-Service-Layer zugreift. In diesem Fall wird der Template-User als Vorlage genutzt und der david-Nutzer erstellt. Voraussetzung hierfür ist, dass es noch freie Nutzerlizenzen gibt und in den Optionen unter "System" das automatische Anlegen von Benutzern aktiviert ist. Wie viele Lizenzen in Summe bereits Verwendung finden, war für uns nicht ersichtlich, wir wurden aber bei der Überschreitung auf die Unterlizenzierung hingewiesen. Unsere Testlizenz mit fünf Nutzern zeigte sich uns im System-Bereich.
Der Punkt "Ports" fasst die sogenannten "david Ports" zusammen, die Schnittstellen zu Hardwarekomponenten wie zum Beispiel ISDN-Karten oder Modems darstellen. Das System unterstützt bis zu 250 Ports. Weiter konnten wir auch Drucker direkt einbinden, die dann im gesamten Netzwerk zum Ausdrucken von Nachrichten über david dienten. Dieser Vorgang war über Regeln steuerbar, die uns unter dem Punkt "Verteilung" zur Verfügung standen.
Tobit david3
Produkt
Kommunikations- und Informationsserver für den lokalen Einsatz.
Hersteller
Tobit
Preis
Für die "david3 Small Business"-Lizenz mit zwei Benutzern und zwölf Monaten "site-care" fallen 295 Euro an. Die "Pro"-Lizenz für 795 Euro beinhaltet fünf Benutzer und einen Kommunikationsport. Zusätzliche Benutzerlizenzen sind in Paketen mit einem, fünf, 25 oder 50 Usern ab 125 Euro verfügbar. Die sitecare-Erweiterung startet bei 3,72 Euro monatlich je Benutzer und "david premium protection" bei 2,30 Euro je Benutzer.
Systemanforderungen
Windows als Betriebssystem für den david-Server. Mehr Informationen stellt der Hersteller nicht zur Verfügung.
Technische Daten
Einfaches Verteilen von E-Mails
Das Verteilen von Nachrichten und Dokumenten ist dabei eine zentrale Aufgabe von david. Benutzer können zwar eine feste externe E-Mail-Adresse besitzen, sie benötigen diese aber nicht. In david lassen sich einfach Gruppenordner anlegen, die keine direkte E-Mail-Adresse verwenden. Eintreffende Nachrichten konnten wir so durch Regeln nach bestimmten Kriterien an david-Benutzer oder bestimmte Ordner verteilen. Die automatische Verteilung erfolgt über die "Verteilregeln", die wir im Bereich "Verteilung" unter "System" antrafen. Eine neue Regel zu erstellen, war schnell erledigt: Wir mussten lediglich in der "Verteilerkennung" die Sammel-E-Mail-Adresse eintragen und im Anschluss einen Zielordner angeben. Dadurch konnten wir beobachten, dass die Regel wie gewünscht arbeitete. Welche weiteren Filterkriterien es gibt und wie diese gegebenenfalls zu kombinieren sind, ist leider nicht dokumentiert.
Zusätzlich zu den Regeln auf dem Server kann jeder david-Benutzer eigene Verteilregeln in seinem Client anlegen. Deren Abarbeitung erfolgt nach dem Server-Regelwerk. Regeln konnten wir auf jedem Ordner über die rechte Maustaste und den entsprechenden Eintrag hinterlegen. Die Möglichkeiten am Client sind wesentlich umfangreicher als am Server und wir waren in der Lage, eingehende E-Mails sehr einfach zum Beispiel nach Betreff, Absender oder Priorität zu filtern. Als Aufgaben kamen Weiterleitungen, Markierungen, aber auch automatische Antworten für Abwesenheitsmeldungen infrage.
Alle Nachrichten, die nicht einem Benutzer oder über eine Verteilregel zugeordnet werden können, landen im zentralen Ordner "Unverteilt". Dieser Ordner zeigte sich im Navigator des david-Clients, der die Ordnerstruktur des Postfaches darstellt. Von hier lassen sich E-Mails dann weiterverarbeiten.
Bild 1: E-Mails lassen sich direkt einem Benutzer zuweisen oder über Verteilerregeln in Ordnern ablegen: Der Ordner benötigt dafür keine eigene E-Mail-Adresse.
Sichere E-Mail-Zustellung
Für eine verschlüsselte Kommunikation sind auch in david3 Zertifikate einzurichten. Für den Test erstellten wir ein selbstsigniertes Zertifikat direkt aus dem Administrations-Client. Dabei mussten wir die Eigenschaften wie Organisation und Domäne hinterlegen und danach stand uns das Zertifikat direkt im definierten Speicherort zur Verfügung. Im Anschluss erfolgte noch die Dienstzuweisung, sodass es kein Problem war, den Diensten für die SMTP-Kommunikation ein anderes Zertifikat als dem Mail-Access-Server zuzuweisen.
Der Bereich der E-Mail-Übermittlung fand sich im Punkt "eMail", der alle Optionen der E-Mail-Dienste zusammenfasst. Die Untergliederung erfolgt in "PostMan" und "Grabbing Server". Verwundert hat uns an dieser Stelle, dass in der Hilfe nahezu zu jedem Punkt eine mehr oder weniger ausführliche Beschreibung zu finden war, der Punkt der E-Mail-Kommunikation aber gar nicht behandelt wird und sich im Inhaltsverzeichnis nicht wiederfindet .
Unter "PostMan" fand sich die SMTP-Kommunikation. Nicht alle Punkte waren für uns im Test direkt nachvollziehbar und wir konzentrierten uns zunächst auf die Grundkonfiguration. Diese erfolgte direkt am Knoten "PostMan", wo wir zunächst den SMTP-Host unseres Servers eintrugen, da wir in unserem Test E-Mails nicht direkt versendeten, sondern über unseren Provider. Dies war unter dem Punkt "Provider" einfach zu konfigurieren. Nach dem Hinterlegen von Ziel und Authentifizierung war der Versand direkt möglich. Damit david sich für unsere E-Mail-Domain verantwortlich fühlte, mussten wir diese als gültige Domain unter dem Knoten "Datenbanken" in der Administration hinterlegen. Eingehend reagiert der Server direkt auf Port 25, aber auch auf SMTP/TLS über Port 465 und für Clients auf Port 587. Die TLS-Nutzung lässt sich ebenfalls im "PostMan" unter "Erweitert" konfigurieren. TLS lässt sich für den ausgehenden E-Mail-Verkehr erzwingen, während es eingehend nur zugeschaltet werden kann.
Neben der direkten Zustellung von E-Mails per SMTP enthält david ebenfalls einen POP3-Grabbing-Server. Mit diesem Dienst lassen sich E-Mails über POP3 von einem Provider abholen und an interne Benutzer oder Ordner weiterleiten. Gerade für kleine Unternehmen, die nicht die Verfügbarkeit des Servers oder der Infrastruktur sicherstellen können, ist das immer noch eine sinnvolle Ergänzung. Immer im Hinterkopf sollten IT-Verantwortliche dabei die gängigen Probleme von POP3-Sammelabrufen haben. Denn oft gehen Information zu "BCC" verloren und auch bei den Zustellbenachrichtigungen können diese an den Sender bereits erfolgen, bevor die E-Mail im david-Postfach eintrifft.
Zahlreiche Verbindungen für den Client
Klassisch bringt david3 seinen eigenen Client mit, der allen Funktionen gerecht wird. Dieser ist direkt einsatzbereit und kommuniziert über Port 267 mit dem Server. Egal ob Fax, SMS, E-Mail oder Chat, der david-Client ist hier die erste Wahl. Sofern der Client auch außerhalb des lokalen Netzwerks arbeitet, reicht ihm Port 267, um seinen Dienst zu tun.
Beim Thema Offlineverfügbarkeit müssen wir jedoch ein kleines "Aber" einstreuen: Während der Installation des Clients wurde uns die Option "david Client Mobile" angeboten. Diese Erweiterung ergänzt den Client um einen abgespeckten david-Server, der mit dem eigentlichen Server repliziert. Der Wechsel zwischen online und offline erfolgt durch den Nutzer, die Synchronisierung startet zu festgelegten Events automatisch oder lässt sich manuell anstoßen. Aufgefallen ist uns hierbei, dass die Chatfunktion nur online verfügbar ist.
Neben dem nativen Client steht auch der browserbasierte Smart-Client zur Verfügung. Dieser ist für Android und iOS als App und ansonsten über den Browser zu nutzen. Er bietet dabei nur E-Mail- und deren Kommentarfunktion – den Chat suchten wir hier vergebens. Im Browser lässt sich der Client über eine Website aufrufen und die Anmeldung erfolgt per "chaynsID". Diese mussten wir jedoch zunächst über den Client erzeugen. Der chayns-Account ist dabei ein Online-Benutzerkonto von Tobit, in dem verschiedene Dienste zusammenlaufen. Zur Konfiguration des Smart-Clients mussten wir in der Administration nur die korrekte Domain hinterlegen und das Zertifikat prüfen. An dieser Stelle lässt sich auch der Standardport 8443 für den Smart-Client ändern.
Beim Lesen der Hilfe stolperten wir auch noch über den Web-Access. Dabei handelt es sich um einen alternativen Zugriff über den Browser. Diese Funktion stellt das Modul "WebBox" bereit. So ist allerdings die Chatfunktion nur in Teilen verfügbar – es ließen sich zwar neue Nachrichten schreiben, sobald der Chat aber geschlossen wurde, gab es keine Möglichkeit, diese wieder zu öffnen. Auch zeigten sich nicht alle Kommentare einer E-Mai, sodass diese Funktion besser nicht zum Einsatz kommt. Insgesamt hinterlässt der Web-Access einen so angestaubten Eindruck, dass der Smart-Client zu bevorzugen ist.
Bild 2: Der david-Client als Nachrichtenzentrale für alle Kommunikationswege ist für Outlook-Nutzer gewöhnungsbedürftig und es bedarf einiger Zeit, um alle Funktionen zu finden.
Es muss nicht immer der david-Client sein
Daneben ist die Anbindung fremder Clients über POP3, IMAP und Exchange Active Sync (EAS) möglich. EAS dient vor allem der Synchronisierung mobiler Clients, wobei iOS und Android diese Schnittstelle zum Abrufen der Postfach-Elemente über Port 443 nutzen. Aber auch Apple Mail und Windows Mail greifen auf diese Schnittstelle zurück. Auf diesem Weg lassen sich auf allen möglichen Endgeräten sehr einfach E-Mails, Kalender und Kontakte mit Exchange synchronisieren.
POP3 ist eine sehr einfache Möglichkeit, E-Mails an einem Client abzurufen. Je nach Konfiguration werden die E-Mails direkt beim Abruf am Server gelöscht und lokale Ordnerstrukturen nicht zum Server synchronisiert. Das gilt auch für die gesendeten Objekte, die nur lokal vorhanden sind und anderen Clients nicht zur Verfügung stehen. Gegenüber POP3 bietet IMAP die Möglichkeit, die Ordnerstruktur abzugleichen und auf dem Server und lokal mit dem gleichen Stand zu arbeiten. Das gilt bei IMAP auch für die gesendeten Objekte. Grundsätzlich werden bei POP3 und IMAP nur E-Mails berücksichtigt. Kalendereinträge und Kontakte verbleiben lokal, was ein großer Nachteil gegenüber den anderen Protokollen ist.
EAS war in unserer Testumgebung direkt aktiviert und deaktivieren lässt sich der Dienst im Punkt "WebBox". Hier besteht auch die Möglichkeit, TLS für EAS zu erzwingen. Ob POP3 oder IMAP zum Einsatz kommt, konnten wir wiederum im "Mail Access Server" konfigurieren. Auf einem iPhone ließ sich ohne größere Probleme ein neues Postfach sowohl über IMAP als auch EAS einrichten. Schwieriger war dies mit Office 365 auf einem Windows-10-Client. Hier konnten wir in einem vorhandenen Profil die Kontoeinstellungen nicht um ein EAS oder IMAP-Konto ergänzen. Outlook versucht anscheinend, den Zugriff zu großen Teilen über die automatische Ermittlung zu erkennen und wir waren nicht in der Lage, alle nötigen Informationen zu hinterlegen.
Da es keine Beschreibung hierzu in der Hilfe gab, kontaktierten wir den Support. Dessen Rückmeldung bestand leider nur aus dem Hinweis, dass es hierzu keine Anleitung gebe – weitere Unterstützung erfolgte nicht. Erst eine Internetsuche führte uns zu einem hilfreichen Hinweis zum Anlegen eines neuen Profils in der Systemsteuerung von Windows. Dort waren wir in der Lage, auch den Kontotyp EAS in der erweiterten Konfiguration auszuwählen. Danach war der Zugriff auf david auch auf diesem Wege möglich, nicht jedoch auf andere Postfächer oder Gruppenordner.
Bild 3: Mit dem integrierten Jitsi-Client lassen sich über david3 Videokonferenzen komfortabel durchführen.
Chat und Telefonie tadellos
In vielen Unternehmen haben sich Chats in der internen Kommunikation etabliert und auch Tobit stellt mit "david Chat" eine entsprechende Lösung bereit. Diese bietet zwei große Vorteile: Zum einen ist der Chat im Standard-Client direkt integriert und zum anderen befindet sich die gesamte Kommunikation auf dem internen david-Server. Wie bereits erwähnt ist dieser Chat nur auf dem nativen david-Client verfügbar – der Smart-Client unterstützt dieses Feature nicht. Für Android- und iOS-Geräte steht jeweils eine eigene App zur Verfügung.
Das Recht zur Nutzung des Chats ist im david-Administrator wieder beim Nutzer hinterlegt und ansonsten waren keine weiteren Konfigurationen möglich und nötig. Die Funktion selbst bringt eigentlich alles mit, was wir erwarteten: Es ist möglich, Gruppen zu erstellen, Smileys zu verwenden, ein eigener Status lässt sich ebenfalls setzen und Dokumente teilen. Aufgefallen ist uns, dass Bilder im david-Client nicht als Vorschau verfügbar sind und diese über die Anlagen eines Chats zu öffnen sind – in der App ist das besser gelöst.
Vermisst haben wir das Hinterlegen von Profilbildern, was jede Kommunikation ein Stück persönlicher macht. Darüber hinaus ist es uns auf Anhieb nicht gelungen, die Chat-App außerhalb des Netzwerkes zu nutzen. Intern funktionierte die Kommunikation erfolgreich über Port 443, doch bei externer Nutzung erhielten wir eine Fehlermeldung. Die Dokumentation verweist hier auf Port 864, aber weder dieser Port noch die Nachfrage beim Support konnten das Problem lösen.
Neben dem Chat bringt der david-Client auch eine Telefonie- und eine SIP-Funktion mit. Den integrierten Telefoniedienst konnten wir in den erweiterten Einstellungen einfach aktivieren. Dafür richteten wir auf unserem FritzBox-Gateway einfach ein Netzwerktelefon ein und hinterlegten die Zugangsdaten in den lokalen Einstellungen des david-Clients. Danach zeigten sich eingehende Anrufe direkt im Client. Sofern die Nummer im Adressbuch des Clients hinterlegt war, erfolgte auch direkt eine Zuordnung. Auch das Raustelefonieren funktionierte ohne Probleme, sodass diese Funktion eine sehr gute Ergänzung des Clients ist. Vorgaben zu den Einstellungen lassen sich am Server für jeden Nutzer durchführen.
Videotelefonie als Königsdisziplin
Tobit hat sich auch dem Thema Videotelefonie gewidmet und dazu Anfang 2020 die freie Software "Jitsi Meet" in den david-Client integriert. Der Client kann auf diesem Weg direkt Videokonferenzen starten, die externe wie interne Teilnehmer erlauben. Der Initiator muss darüber hinaus noch mit seiner "chayns.ID" in david angemeldet sein. Danach lässt sich über das Videosymbol direkt eine Videokonferenz starten und jeder Teilnehmer kann weitere Teilnehmer hinzufügen. Über eine E-Mail mit einem Link gelangen externe Teilnehmer hinzu.
Solche Meetings lassen sich im Voraus planen und der Video-Client lässt kaum Wünsche offen: Ein Chat ist integriert, der Bildschirm lässt sich teilen und auch Hintergründe erlauben das Weichzeichnen. Auf einem iPhone übernimmt der david-Client die Sitzung aus der Einladungs-E-Mail – alternativ startet die "Jitsi-Meet"-App. Der Smart-Client zeigt hier jedoch Schwächen, da dieser nur auf E-Mails reagiert. So sahen wir zwar die Einladung, zusagen konnten wir aber nicht und durch den fehlenden Kalender waren die geplanten Termine auch nicht ersichtlich. EAS erlaubt an dieser Stelle zwar, den Termin anzunehmen, in den Notizen fehlte aber der Link zur Konferenz, was die Teilnahme schwierig macht. Insgesamt legte der david-Client eine sehr große Vielfalt an den Tag. Es ist zwar ein wenig Zeit für die Einarbeitung nötig, aber dies macht dann die Tatsache, dass alle Features in einem Client zu finden sind, leicht wieder wett.
So urteilt IT-Administrator
Bewertung
Collaborationsfunktionen 9 Hochverfügbarkeit 3 Nativer Client 9 Mobiler Client 5 Sicherheit 7
Dieses Produkt eignet sich
optimal
für kleine bis mittelgroße Firmen, die einen lokalen Kommunikationsserver suchen, der einem Team E-Mails, aber auch Telefonie bietet.
bedingt
für Unternehmen, die auf Hochverfügbarkeit setzen und unterwegs offline wie auch online mit dem vollen Funktionsumfang arbeiten müssen.
nicht
für sehr große Unternehmen, die bereits eigene Lösungen für E-Mail, Telefonie oder Videokonferenzen betreiben.
Umfangreiches Sicherheitssystem
Um die Umgebung zu schützen, bietet david Funktionen, die unbefugte Zugriffe verhindern und unerwünschte oder schädliche Nachrichten ablehnen. Hierfür stehen die Mechanismen "Schutz vor Computerviren", "Schutz vor Spam", "Digitale Signaturen und Verschlüsselung" sowie die Datensicherung des david-Ordnersystems mit der "StrongBox" zur Verfügung.
Der Virenschutz prüft alle ein- und ausgehenden E-Mails sowie die david-Ordner. Neben der Überwachung der Server schützt die "Desktop Protection for david" die Arbeitsstationen im Netzwerk. Mit den "Message Identification Services" stehen darüber hinaus noch Mittel gegen Spam zur Verfügung.
Da ein Server nicht gegen alle Eventualitäten zu schützen ist, gehört auch eine integrierte Sicherung zum Lieferumfang – die "StrongBox". Dabei handelt es sich um einen Systemdienst, der direkt auf dem david-Server läuft und automatisch Backups des david-Ordnersystems erstellt. Diese Sicherung besteht aus einer Datei, dem so genannten "StrongBox Image", und ist über die Administration in wenigen Schritten eingerichtet.
Fazit
Tobit Software hat mit david 3 eine sehr umfangreiche Groupware-Lösung entwickelt, deren Funktionsumfang überzeugt. Serverseitig sehen wir die fehlende Hochverfügbarkeit als klaren Nachteil und würden nicht die maximal möglichen 5000 Nutzer auf einem Single-Server einrichten. Diese große Nutzerzahl bedingt eine hohe Verfügbarkeit auf allen Ebenen, denn eine Störung kann schnell zu einem hohen monetären Schaden führen. Die fehlende Dokumentation sehen wir ebenfalls kritisch. Tobit mag den Weg über Partner gehen, trotzdem sollten IT-Profis ausführliche Handbücher an die Hand bekommen.
Der native david-Client hinterlässt einen sehr modernen und positiven Eindruck. Durch die zahlreichen Funktionen bedarf es zunächst etwas Zeit, um den Überblick zu gewinnen, doch danach geht das Arbeiten schnell von der Hand. Ein paar Schnitzer hat sich david beim mobilen Zugriff geleistet: Dass beim Smart-Client weder Aufgaben noch Kalender verfügbar sind, verwundert genauso wie der eigene Client für den Chat.
(jp)