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2023
07
2023-06-29T12:00:00
Optimiertes Rechenzentrum
AKTUELL
012
Interview
Rechenzentrum
Nachhaltigkeit
Interview
»Die Planung der RZ-Infrastruktur muss Abwärmenutzung berücksichtigen«
Redaktion IT-Administrator
Veröffentlicht in Ausgabe 07/2023 - AKTUELL
DATA CASTLE ist eine Green-Data-Center-Plattform für sicheres Server-Housing und Colocation an den zentralen Standorten in Deutschland – derzeit sind Rechenzentren in Frankfurt am Main, Berlin und München geplant. Wir haben mit dem CEO Dr. Christopher Stief über die Nachhaltigkeit von Rechenzentren gesprochen.

IT-Administrator: Die Nachfrage nach neuen Rechenzentren nimmt vor dem Hintergrund der hohen Energiekosten an Fahrt auf. Welche Chancen sehen Sie für Anbieter von Rechenzentren?
Dr. Christopher Stief: Die Nachfrage nach Rechenzentrumsflächen ist groß und das wird auch wegen der gestiegenen Energiekosten so bleiben. Das gilt in Deutschland vor allem für Städte wie Frankfurt und Berlin. Aufgrund der hohen Energiekosten wächst der Druck auf die Unternehmen, die eigenen Rechenzentren mit schlechtem PUE zum Vorteil von Colocation-Flächen abzuschalten. Das ist eine Chance für RZ-Service-Anbieter, deren verlässliche Konzepte in allen drei Stufen der Energiefrage gute Antworten liefern können – Energieversorgung, Energieverbrauch und Abwärmenutzung.
Welche Risiken wie etwa Greenwashing gehen damit einher?
IT-Administrator: Die Nachfrage nach neuen Rechenzentren nimmt vor dem Hintergrund der hohen Energiekosten an Fahrt auf. Welche Chancen sehen Sie für Anbieter von Rechenzentren?
Dr. Christopher Stief: Die Nachfrage nach Rechenzentrumsflächen ist groß und das wird auch wegen der gestiegenen Energiekosten so bleiben. Das gilt in Deutschland vor allem für Städte wie Frankfurt und Berlin. Aufgrund der hohen Energiekosten wächst der Druck auf die Unternehmen, die eigenen Rechenzentren mit schlechtem PUE zum Vorteil von Colocation-Flächen abzuschalten. Das ist eine Chance für RZ-Service-Anbieter, deren verlässliche Konzepte in allen drei Stufen der Energiefrage gute Antworten liefern können – Energieversorgung, Energieverbrauch und Abwärmenutzung.
Welche Risiken wie etwa Greenwashing gehen damit einher?
Das Risiko, dass Anbieter ihre Energiekonzepte schöner darstellen als sie tatsächlich sind, ist immer gegeben. Allerdings ist mittlerweile die Ernsthaftigkeit und der Druck auf Kundenseite so groß geworden, dass unausgewogene Angebote schnell entlarvt werden.
Welchen Anteil können nachhaltige Rechenzentren Ihrer Meinung nach überhaupt zur Reduzierung der globalen Treibhausgase beitragen?
Jeder Anteil ist willkommen, denn der Fakt, dass der elektrische Wirkungsgrad eines Servers bezogen auf seine Aufgabe nahezu Null beträgt, ist energiepolitisch eine Katastrophe. Die entstehende Abwärme nicht noch zusätzlich wegzukühlen sondern direkt zu nutzen, liegt auf der Hand. Das ist aber technisch schwerer umzusetzen als es auf den ersten Blick erscheint. Bei zwei bis drei Prozent Anteil der IT an den globalen Treibhausgasen muss eine Reduzierung auf ein bis zwei Prozent das mittelfristige Ziel sein.
Ab wann lässt sich dann von einem klimafreundlichen Betrieb von Rechenzentren sprechen?
Vom klimafreundlichem Betrieb eines RZ kann man meines Erachtens sprechen, wenn der Strom für das RZ aus CO2-neutralen Quellen stammt, die Effizienz des RZ-Betriebs selbst bei mindestens 1,25 PUE liegt und drittens der Löwenanteil der Abwärme an Wiederverwender über ein Nahwärme- oder Fernwärmenetz abgegeben werden kann.
DATA CASTLE ist nach eigenen Worten eine Green-Data-Center-Plattform. Können Sie erklären, um was es sich dabei handelt?
Die Green-Data-Center-Plattform bedeutet, dass wir in allen drei Stufen der Energiefrage unseren Nutzern einen klimafreundlichen Betrieb anbieten wollen. Je nach Standort des RZ im idealen Fall wie zuvor in Sachen PUE, Abwärmenutzung et cetera beschrieben.
»Ein anerkanntes Gütesiegel für den nachhaltigen Betrieb ist sehr wichtig«
Welche Trends stellen Sie in puncto Abwärmenutzung derzeit fest?
Vor allem alte Rechenzentren sind aufgrund ihrer Kälteinfrastruktur überhaupt nicht geeignet, mit einem vertretbaren technischen Aufwand Abwärme nutzbar abzugeben. Die Planung der RZ-Infrastruktur muss auf eine spätere Abwärmenutzung ausgelegt werden. Die Bereitschaft der Kommunen, der Nahwärmenetzbetreiber beziehungsweise Fernwärmenetzbetreiber, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, nimmt zu.
Und welche Abwärmenutzung wollen Sie nutzen?
Wir haben uns entschieden, an allen Standorten eine Abwärmenutzung sicherzustellen. Je nach den Standortgegebenheiten geben unsere Rechenzentren unterschiedliche Anteile am IT-Strom als Abwärme ab.
Abwärmenutzung ist eine gute Sacher, aber woher stammt der Strom für Ihre Rechenzentren?
Wir nutzen zu 100 Prozent Ökostrom für unsere Rechenzentren. Der Strom wird dabei über Zertifikate am Markt eingekauft und stammt in der Regel von Photovoltaikanlagen und Windkrafträdern aus Deutschland. Wir können ganz gezielte Aussagen über die Herkunft unseres Stroms machen, diese sind je nach Standort natürlich unterschiedlich. Zusätzlich verwenden wir ein Maximum an eigenen Photovoltaikanlagen auf unseren Dächern und Fassaden, um auch selbst Ökostrom für die Rechenzentrumsnutzung zur Verfügung zu stellen.
Anfang des Jahres hat AWS seine Notstromgeneratoren von Diesel auf wasserstoffbehandeltes Pflanzenöl umgestellt, um die Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Ist dieser Versuch sinnvoll oder eher unglaubwürdig?
Generell sind alle technisch und wirtschaftliche sinnvollen Anstrengungen, die Treibhausgasemissionen weiter zu reduzieren, sehr zu begrüßen. Ob dieses konkrete Projekt bei AWS technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist, können wir nicht beurteilen.
Nachhaltigkeit faktisch zu bemessen, fällt der Rechenzentrumsbranche nach wie vor schwer. Ein Versuch ist das Nachhaltigkeitszertifikat "SDC Sustainable Data Center" vom TÜV Rheinland. Wie wichtig sind solche Siegel für die Branche?
Ein anerkanntes Gütesiegel zum Thema "nachhaltiger Betrieb" ist in diesem Zusammenhang sicherlich sehr wichtig. Nicht zuletzt für den Nutzer eines Rechenzentrums ist eine glaubhafte Vergleichbarkeit sehr zielführend. Entscheidend ist hierbei, die in der Industrie anerkannten Technologien zugrundezulegen, die das zentrale Kriterium "Verfügbarkeit" nicht in Frage stellen.
Vielen Dank für das Gespräch.