ADMIN

2023

07

2023-06-29T12:00:00

Optimiertes Rechenzentrum

TESTS

016

Rechenzentrum

Monitoring

Serverracks

Kentix SmartPDU und KentixONE

Unter Strom

von Dr. Christian Knermann

Veröffentlicht in Ausgabe 07/2023 - TESTS

Eine zuverlässige und hochverfügbare Stromversorgung bildet die Basis eines jeden Serverraums und Rechenzentrums. Der Hersteller Kentix bietet mit seinen intelligenten Steckdosenleisten der SmartPDU-Serie und der Management-Plattform KentixONE ein umfassendes Set für Strommessung, Umgebungsmonitoring und Zugriffkontrolle von Serverracks. IT-Administrator hat sich die Plattform im Einsatz angesehen und war von den Möglichkeiten zur Verbrauchsmessung und zur Alarmierung sehr angetan.

Ein möglichst sparsamer Ressourceneinsatz ist seit jeher sowohl im Interesse von kleinen Unternehmen mit nur einem Serverschrank als auch von Betreibern großer Rechenzentren. Neben der Wirtschaftlichkeit treten dabei zunehmend ökologische Aspekte in den Vordergrund. So ist die IT gefragt, den ökologischen Fußabdruck eines Unternehmens und den damit verbundenen Ausstoß von CO2-Äquivalenten zu reduzieren. Doch "was man nicht messen kann, kann man nicht lenken" — dieses dem Ökonomen Peter F. Drucker zugeschriebene Zitat trifft auch für den IT-Betrieb zu. Und so gilt es, zunächst die Leistungsaufnahme der Infrastruktur zu erfassen, um Potenziale für Optimierungen zu identifizieren.
Hier kommt das Angebot von Kentix ins Spiel. Der Hersteller aus Idar-Oberstein entwickelt und produziert seine Produkte komplett in Deutschland und hat sich ganz auf die physische Sicherheit von Unternehmen spezialisiert. Dazu bietet er ein System bestehend aus der Managementplattform KentixONE und acht Modulen, jeweils vier in den Bereichen Unternehmenssicherheit und IT-Sicherheit.
Ein System, acht Module
Die Unternehmenssicherheit umfasst die vier Module Zutrittskontrolle, Einbruchalarmierung, Live-Videoüberwachung sowie Brandfrüherkennung. Hierzu zählen die funk- und kabelgebundenen Hardware AlarmManager und AccessManager, die wiederum per Funk oder Kabel Sensoren und Türschlösser einbinden. Die kabelgebundenen Komponenten werden per Power-over-Ethernet (PoE) mit Energie versorgt. Die per Funk vernetzten Sensoren und Türschließer verfügen über wechselbare Batterien. Hier hat Kentix eigene Angebote für verschiedene Fabrikate von Serverracks sowie Nachrüst-Sets für Türgriffe anderer Hersteller im Angebot.
Ein möglichst sparsamer Ressourceneinsatz ist seit jeher sowohl im Interesse von kleinen Unternehmen mit nur einem Serverschrank als auch von Betreibern großer Rechenzentren. Neben der Wirtschaftlichkeit treten dabei zunehmend ökologische Aspekte in den Vordergrund. So ist die IT gefragt, den ökologischen Fußabdruck eines Unternehmens und den damit verbundenen Ausstoß von CO2-Äquivalenten zu reduzieren. Doch "was man nicht messen kann, kann man nicht lenken" — dieses dem Ökonomen Peter F. Drucker zugeschriebene Zitat trifft auch für den IT-Betrieb zu. Und so gilt es, zunächst die Leistungsaufnahme der Infrastruktur zu erfassen, um Potenziale für Optimierungen zu identifizieren.
Hier kommt das Angebot von Kentix ins Spiel. Der Hersteller aus Idar-Oberstein entwickelt und produziert seine Produkte komplett in Deutschland und hat sich ganz auf die physische Sicherheit von Unternehmen spezialisiert. Dazu bietet er ein System bestehend aus der Managementplattform KentixONE und acht Modulen, jeweils vier in den Bereichen Unternehmenssicherheit und IT-Sicherheit.
Ein System, acht Module
Die Unternehmenssicherheit umfasst die vier Module Zutrittskontrolle, Einbruchalarmierung, Live-Videoüberwachung sowie Brandfrüherkennung. Hierzu zählen die funk- und kabelgebundenen Hardware AlarmManager und AccessManager, die wiederum per Funk oder Kabel Sensoren und Türschlösser einbinden. Die kabelgebundenen Komponenten werden per Power-over-Ethernet (PoE) mit Energie versorgt. Die per Funk vernetzten Sensoren und Türschließer verfügen über wechselbare Batterien. Hier hat Kentix eigene Angebote für verschiedene Fabrikate von Serverracks sowie Nachrüst-Sets für Türgriffe anderer Hersteller im Angebot.
Die Sensoren erfassen Temperatur, Luftfeuchte, CO-Werte, Bewegungen, Wärmebilder sowie Leckagen zur Erkennung von Rohrbrüchen oder Kühlmittelverlust an Klimaanlagen. Zur Videoüberwachung integriert der Hersteller nahezu jede IP-fähige Kamera von Drittanbietern. Im Bereich der IT-Sicherheit kümmert sich der Hersteller um das Monitoring, Stromversorgung, Netzwerk sowie um die Verarbeitung externer Störmeldungen. Auch hier kommen wiederum die verschiedenen Sensoren zum Einsatz.
Kentix SmartPDU und KentixONE
Produkt
Intelligente Stromverteilungseinheiten für Rechenzentren und Serverracks mit zentraler Plattform für Monitoring und Verwaltung.
Hersteller
Kentix
Preis
SmartPDU (2HE): 925 Euro; Dual SmartPDU (2HE): 1295 Euro; SmartPDU (40 HE): je nach Konfiguration ab 1795 Euro; Dual SmartPDU (40HE): 2075 Euro; DoorLock-RA4-IP-Türschloss: je nach Konfiguration ab 325 Euro.
Systemanforderungen
19-Zoll-Serverrack zur Montage der Komponenten, Ethernet-Anschluss (RJ45), aktueller Browser zum Zugriff auf die Webplattform KentixONE.
Technische Daten
Im Bereich der intelligenten Strommessung, Smart Metering genannt, bietet Kentix drei Bausteine an. Der per PoE versorgte PowerManager verwaltet und überwacht Funk- und Bus-fähige Stromzähler innerhalb von Gebäuden, Server- und Verteilerräumen sowie Rechenzentren. Der per Funk vernetzte InlineMeter dient als Nebenstellenzähler der Messung von USV- oder Klimasystemen, Anlagen der Gebäudetechnik sowie Stromverteilungseinheiten (Power Distribution Unit, PDU) in Serverracks. Zu guter Letzt dienen die intelligenten Steckdosenleisten der SmartPDU-Serie zur Stromversorgung der Endgeräte in Daten- oder Netzwerkschränken bei gleichzeitiger Strommessung, Verbrauchsdatenerfassung und Überwachung der Umgebung.
Diese SmartPDUs standen im Fokus unseres Interesses. Sie basieren auf einer Kombination aus Hardware und Software. Die Hardware besteht aus einer Stromverteilungseinheit mit mehreren Steckdosen und einer intelligenten Steuerungseinheit. Die Software der zentralen Managementplattform KentixONE ist in die PDUs integriert und liefert Echtzeitdaten zur Stromversorgung, zum Stromverbrauch und zur Umgebung. Letztere umfasst Temperatur, Luftfeuchte und optional CO-Werte, sodass die PDU keine separaten Sensoren benötigt, um etwa einen Brand bereits im Frühstadium zu erkennen.
 
Bild 1: Die "Dual SmartPDU" belegt zwei Höheneinheiten und eignet sich für kleinere Serverracks.
SmartPDUs von klein bis groß
Kentix bietet die smarten Steckdosenleisten in verschiedenen Formfaktoren an, je nach Modell für ein- oder dreiphasige Anschlüsse mit 16 oder 32 Ampere bei 230 Volt. Die Gesamtleistung einer PDU hängt vom Anschluss (16 oder 32 Ampere, 1- oder 3-phasig) sowie den Abgängen (10 oder 16 A) ab, wobei der niedrigere Wert die Leistung der PDU bestimmt. Der Hersteller unterstützt bei der Berechnung der Leistung und der benötigten PDU je Anwendungsfall.
Die kleinste SmartPDU zur horizontalen Montage belegt zwei Höheneinheiten im Serverrack und bietet bei einphasigem Anschluss mit 16 Ampere insgesamt 16 Kaltgerätebuchsen vom Typ C13 für den Stromanschluss von Geräten, die im Betrieb keine nennenswerte Wärme entwickeln. Eine weitere SmartPDU zur horizontalen Montage auf drei Höhenein- heiten umfasst bei 3x 16/32A entweder 24 Anschlüsse vom Typ C13 oder 20 vom Typ C13 und zwei vom Typ C19.
Die größeren Modelle zur vertikalen Montage im Serverrack über 40 Höheneinheiten sind beim Anschluss an entweder 1x 16/32A oder 3x1 6/32A mit 24 Kaltgerätebuchsen vom Typ C13 und sechs vom Typ C19 oder aber 48 Anschlüssen vom Typ C13 ausgestattet.
In der Regel kommen pro Rack jeweils zwei Steckdosenleisten zum Einsatz, eine für das Normalnetz (A) und eine weitere für einen per unterbrechungsfreier Stromversorgung (USB) gespeisten Stromkreis (B). Darüber hinaus unterstützen Dual-SmartPDUs den redundanten Anschluss an Normalnetz und USV (A+B). Das kleinste Modell, die Dual-SmartPDU zur horizontalen Montage, belegt zwei Höheneinheiten im Rack und bringt beim Anschluss an 2x 16A entweder 16 oder 18 Kaltgerätebuchsen vom Typ C13 mit A+B Versorgung unter (Bild 1).
Eine neue Serie von Steckdosenleisten, die jede einzelne Steckdose aus der Ferne ein- und ausschalten kann, ist in Vorbereitung, stand aber bis zum Redaktionsschluss noch nicht zum Test zur Verfügung. Sämtliche technischen Details zu allen Modellen aufzuführen, würde den Umfang dieses Artikels bei Weitem sprengen, sodass wir an dieser Stelle auf die online verfügbaren Datenblätter des Herstellers verweisen.
Kentix fertigt sämtliche Modelle in robusten und in einer beliebigen RAL-Farbe pulverbeschichteten Metallgehäusen und verdrahtet sie intern durchgängig mit Kabeln mit einem Querschnitt von 6 mm2. Alle Buchsen in allen Modellen verfügen über eine Sicherung gegen versehentliches Herausziehen (IEC-Lock), die mit Standardkabeln funktioniert.
Über eine am Systemport einer PDU angeschlossene Verteilerbox integriert der Hersteller weitere Komponenten, etwa Staub- und Leckage-Sensoren oder die smarten Türschlösser vom Teiner Verteilerbox kann zwei solcher Schlösser für Vorder- und Rückseite eines Serverracks einbinden, per PoE mit Strom versorgen und so nach definierbaren Regeln den Zugang zum Rack zeitgesteuert sowie authentifiziert per RFID-Tag und PIN-Code absichern.
Bild 2: Das Türschloss "DoorLock-RA4" regelt in Verbindung mit einer SmartPDU den Zugang zum Serverrack.
Geeichte Strommessung
Alle PDU-Modelle erfassen zahlreiche Mess- und Kommunikationsobjekte, darunter jeweils insgesamt sowie pro Phase ausgewiesen Spannung, Strom, Frequenz sowie Schein-, Blind- und Wirkleistung nebst Wirkfaktor (siehe gleichnamiger Kasten). Alle SmartPDUs verfügen dazu über geeichte Stromzähler des Herstellers ABB für eine rechtssichere Abrechnung. Die Genauigkeit entspricht der Klasse B der Europäischen Messgeräterichtlinie.
Mittels integrierter Differenzstromüberwachung einiger Modelle können Admins elektrische Geräteprüfungen auch ohne Abschaltung durchführen und zu höherer elektrischer Sicherheit sowie einem optimalen Brandschutz beitragen. Es ist so laut Kentix möglich, von der Unfallverhütungsvorschrift der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung für elektrische Anlagen und Betriebsmittel (DGUV-3) geforderte Prüfungen im laufenden Betrieb zu erledigen. Zusätzlich bindet eine SmartPDU einen externen Hauptstromzähler per Modbus-Ethernet an und kann damit direkt die Energieeffizienz (Power Usage Effectiveness, PUE) eines Serverraums oder Rechenzentrums bestimmen.
Admins konfigurieren dazu in KentixONE für einzelne Phasen von PDUs, ob daran IT-Geräte oder anderweitige Verbraucher angeschlossen sind. Das System kann daraufhin die gesamte Leistungsaufnahme der Infrastruktur und die Last mit direktem IT-Bezug ins Verhältnis setzen.
Schein-, Blind- und Wirkleistung
Bei der genauen Erfassung der Leistungsaufnahme ist zu beachten, dass die in IT-Komponenten typischerweise verbauten Schaltnetz­teile aufgrund induktiver Effekte eine Phasenverschiebung zwischen Strom und Spannung aufweisen. Das Produkt der Effektivwerte von Strom und Spannung ist die in Volt-Ampere angegebene Scheinleistung. Der Anteil der Scheinleistung, der tatsächlich Arbeit verrichtet, also in Wärme umgewandelt wird und Stromkosten verursacht, ist die in Watt angegebene Wirkleistung. Der ungenutzte Anteil wird als Blindleistung bezeichnet und in der Einheit "Volt-Ampere reactive" angegeben.Der Leistungs- oder Wirkfaktor (Power Factor, PF) ist das Verhältnis von Wirkleistung zu Scheinleistung. Im idealen Fall PF=1 ist die Scheinleistung identisch mit der Wirkleistung. Um Schaltnetzteile diesem Ideal anzunähern, schreibt die Norm DIN EN 61000-3-2 für alle elektronischen Geräte mit Netzteilen ab einer Nennleistung von 75 W aufwärts eine Leistungsfaktorkorrektur (Power Factor Correction, PFC) vor. Auch eine PFC kann jedoch eine Phasenverschiebung und damit eine Abweichung zwischen Wirk- und Scheinleistung nicht vollständig verhindern. Einfache Messgeräte, die den PF nicht berücksichtigen, erfassen zwar die Scheinleistung, aber nicht die für den realen Stromverbrauch relevante Wirkleistung und weisen daher eine zu hohe Leistungsaufnahme aus.Ergänzend zu den Daten rund um den elektrischen Strom erfassen die smarten Steckdosenleisten Temperatur, relative Luftfeuchte, Taupunkt, Vibrationen sowie optional die CO-Konzentration in der Umgebungsluft.
Durchdachtes Management mit KentixONE
Basis für die grundlegenden Funktionen der Strommessung und die Integration mit den weiteren Produkten aus Kentix' Portfolio bildet die Plattform KentixONE. Positiv fiel uns hierbei auf, dass diese gegen den allgemeinen Trend keine Cloud-anbindung erfordert. Wir konnten die Software stattdessen komplett im lokalen Netzwerk betreiben und behielten somit die Hoheit über unsere Messdaten. KentixONE läuft dazu als eingebettete Software auf allen vernetzbaren Produkten des Herstellers und hat für alle auch immer den gleichen Versionsstand.
Zur Integration sämtlicher Kentix-Produkte im Netzwerk agiert eine Komponente als Main-Controller, der alle übrigen Geräte als Satelliten anbindet und sich zentral um Firmwareupdates kümmert. Der Hersteller empfiehlt, einen AlarmManager oder den optionalen SiteManager als Main-Controller zu verwenden. Beim SiteManager handelt es sich um eine separate Zentraleinheit mit KentixONE in einem kompakten Metallgehäuse zur Montage auf einer Hutschiene oder zum Einbau in einem separat erhältlichen Einbaurahmen für 19-Zoll-Racks.
Alternativ ist der SiteManager als virtuelle Appliance in Form eines Docker-Containers erhältlich. Wer bereits über eine Virtualisierungsinfrastruktur verfügt, die vorzugsweise aus mehreren Hosts besteht und in der Lage ist, Docker-Container auszuführen, kann so den ausfallsicheren Betrieb des Main-Controllers realisieren.
 Zügige Konfiguration per Wizard
Kentix hatte uns ins hauseigene Demo-Rechenzentrum am Firmensitz in Idar-Oberstein eingeladen. Dort nahmen wir eine Testumgebung, bestehend aus einem AlarmManager sowie zwei SmartPDUs, in Betrieb und konnten uns daneben von der Funktion der SmartPDUs in einem größeren Aufbau überzeugen.
Alle Komponenten beziehen bei Inbetriebnahme eine IP-Adresse per DHCP. Alternativ verfügt jedes Gerät über eine vorkonfigurierte feste IP-Adresse als Rückfallposition und ist somit von einem per Crossover-Kabel verbundenen Clientcomputer direkt erreichbar. Zunächst galt es, den AlarmManager zu konfigurieren. In unserem Fall ermittelten wir die per DHCP zugewiesene Adresse und riefen per Browser die Weboberfläche auf. Die führte uns mit einem einfachen Installations-Wizard in vier Schritten zur grundlegenden Konfiguration.
Im ersten Schritt wählten wir die Sprache. KentixONE versteht sich auf Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch sowie Japanisch. Weiterhin konnten wir bereits an dieser Stelle die optionale Anbindung an den Webdienst für die mobile App KentixONE-GO konfigurieren. Hierfür muss der lokale Main-Controller über die TCP-Ports 5222 sowie 443 mit dem Clouddienst des Herstellers kommunizieren dürfen. Dieser stellt mittelbar eine Verbindung zwischen lokaler Instanz und mobilen Endgeräten her. Im zweiten Schritt hatten wir noch einmal Gelegenheit, die Sprache zu wählen, weiterhin die Zeitzone und die gewünschte Einheit für Temperaturen, Celsius oder Fahrenheit.
Im folgenden Dialogschritt bot uns der Wizard die Möglichkeit, die Netzwerkeinstellungen von DHCP auf eine manuelle Konfiguration zu ändern. Im vierten und letzten Schritt legten wir einen ersten Admin-Benutzer für die Oberfläche mit vollständigem Namen, Nutzernamen, Passwort sowie E-Mail-Adresse an. Damit begrüßte uns bereits das Dashboard von KentixONE mit der initialen Ansicht, der "Easy View". Diese zeigt mit dem Icon einer Hand mit ausgestrecktem Daumen in grün oder rot auf einen Blick an, ob in der Umgebung alles in Ordnung ist oder nicht (Bild 3).
Bild 3: Die "Easy View" des Dashboards informiert auf einen Blick über den Status der überwachten Infrastruktur.
Physische oder logische Topologie abbilden
Zunächst navigierten wir in der vertikalen Menüleiste zur Linken zum Bereich "Konfiguration / Allgemein". Dort fanden wir die Einstellungen zur Sprache und Region wieder, konfigurierten auf der Registerkarte zu Datum und Uhrzeit einen NTP-Server und richteten das automatische Backup ein. Der Main-Controller schreibt seine Datensicherung wahlweise auf eine lokale SD-Karte oder auf eine SMB-Dateifreigabe im Netzwerk.
Im Menüpunkt "Dashboard / Detailview" bereiteten wir unsere Umgebung zur Integration weiterer Komponenten vor. Die detaillierte Ansicht stellt die physische oder logische Topologie einer Infrastruktur dar. Hier konnten wir in einer hierarchischen Baumstruktur etwa Gebäude und Räume darin definieren, um diesen weitere Produkte des Herstellers zuzuordnen. Innerhalb der Hierarchie definierten wir Alarmgruppen, die Einstellungen zu Alarmen und Warnungen an alle untergeordneten Ebenen vererben. Der Hersteller unterscheidet verschiedene Typen von Alarmen.
Ein daueraktiver Alarm, etwa zur Überwachung von Temperatur oder Stromversorgung, gilt immer. Ein scharfaktiver Alarm überwacht beispielsweise das Schließen von Türen zu Räumen und Serverschränken und ist nur bei scharf geschalteter Alarmanlage aktiv. Weiterhin unterscheidet KentixONE Brandalarme und Sabotagealarme. Letztere schlagen an, falls Sensoren ausfallen sollten. Für alle Typen von Alarmen durften wir definieren, wie die Software benachrichtigen soll. Je nach Alarm kann etwa, sofern vorhanden, eine Sirene für einen wählbaren Zeitraum von Sekunden, Minuten oder dauerhaft heulen. Der AlarmManager kann mittels integriertem Mobilfunk-Modul auch SMS-Benachrichtigungen verschicken.
PDU schnell mit Main-Controller verbunden
Nun widmeten wir uns der Einrichtung der SmartPDUs. Während ein AlarmManager immer die Rolle des Main-Controllers einnimmt, agiert eine PDU wahlweise als Main-Controller oder Satellit. Es ist folglich möglich, Kentix-ONE nur in Verbindung mit einer PDU zu nutzen.
Bei der Einrichtung der PDUs stellte uns der Wizard daher in einem weiteren Schritt vor die Wahl und wir entschieden uns, die SmartPDUs als Satelliten zu konfigurieren. Dazu fragte uns der Wizard nach der Adresse unseres Main-Controllers. Wir durften dabei optional einen Kommunikationsschlüssel als Shared Secret festlegen. Zusätzlich zur Transportverschlüsselung – Kentix-Geräte kommunizieren untereinander immer TLS-gesichert, wahlweise über selbstsignierte Zertifikate oder solche einer PKI – verwenden die Komponenten dieses Secret dann zur Verschlüsselung der Nutzdaten.
Weiterhin beherrschen die Produkte die Port-Authentifizierung nach IEEE 802.1X zur Absicherung des Netzwerkzugangs. Der Assistent leitete uns abschließend zum Webinterface des Main-Controllers weiter, wo wir die Integration unserer Satelliten noch quittieren mussten. Dabei wählten wir eine der Ebenen unserer Topologie als Ziel und fügten das jeweilige Gerät vom Typ SmartPDU hinzu.
Umgebungsdaten laufend überwachen
Im Rahmen der Erstkonfiguration der PDU definierten wir in mehreren Bereichen Schwellenwerte für Warnungen und Alarmierungen. Während Erstere etwa nur einen Eintrag im Logbuch oder einen Hinweis im Dashboard zur Folge haben, macht sich ein Alarm auf Wunsch per SMS, SNMP-Trap, akustischem Signal oder beim Einsatz der mobilen App als Push-Benachrichtigung bemerkbar. So konnten wir für das Monitoring von Temperatur und relativer Luftfeuchte jeweils Bereiche mit minimalen und maximalen Werten festlegen, außerhalb derer KentixONE eine Warnung oder einen Alarm auslöst.
Analog definierten wir zur Brandfrüherkennung Warnschwellen für CO-Konzentration und Hitze. Letztere bewertet KentixONE anhand eines ungewöhnlich schnellen Anstiegs, etwa einer Zunahme der Temperatur um 10 Grad binnen einer Minute. Einen potenziellen Einbruch erkennt die PDU anhand von Vibrationen. Weiterhin misst die smarte Steckdosenleiste die Leistungsdifferenz zwischen Normalnetz und USV-Stromkreis. Eine duale PDU erledigt dies allein, zwei PDUs für getrennte Stromkreise kombinierten wir im weiteren Verlauf des Testaufbaus zu einer logischen Rackeinheit und konnten so eine ungleiche Verteilung der Last zwischen den Stromkreisen erkennen.
Doch zunächst schlossen wir die Grundkonfiguration ab, die noch Warnschwellen für die Differenzstrommessung sowie die Wertebereiche der Strommessung insgesamt und pro Phase umfasste. Beim Hinzufügen der zweiten PDU nutzten wir die Option "Importieren aus...", um die Einstellungen der ersten auf die zweite PDU zu übertragen. Gilt es später, die Settings zahlreicher PDUs gleichzeitig zu verändern, bietet KentixONE einen Massen-editier-Modus, der alle gewählten Geräte identisch konfiguriert. Der Main-Controller überträgt geänderte Einstellungen automatisch periodisch an die Satelliten. Wir konnten dies aber auch manuell erledigen.
Sobald wir nun Ereignisse generierten, etwa durch absichtliches Schalten einer Sicherung oder eine ungleiche Auslastung der PDUs, fanden wir die Warnungen und Alarme unmittelbar im Easy View des Dashboards sowie auch im Bereich "Dashboard / Eventlogbuch" wieder. Hier konnten wir einzelne Meldungen quittieren oder aber KentixONE so konfigurieren, dass die Plattform Meldungen automatisch quittierte, sobald ein Fehlerzustand nicht mehr auftrat.
Stromverbrauch auf einen Blick
Abseits von Warnungen und Alarmen zeigte uns KentixONE übersichtlich die aktuellen Umgebungsdaten und Werte der Strommessungen in der Detailansicht der jeweiligen PDU. Hier konnten wir zudem Diagramme zur historischen Entwicklung des Stromverbrauchs pro Tag einsehen. Zu überzeugen wusste die Plattform ferner mit den Möglichkeiten, sämtliche Daten zur weiteren Auswertung und Visualisierung an andere Systeme zu übertragen. Hierzu stellt der Main-Controller eine SNMP-Schnittstelle sowie ein REST-API mit Zugriff per Bearer Token bereit. KentixONE unterstützt SNMP v2 und v3 mit den üblichen Methoden der Absicherung. Die Weboberfläche bot uns ein OID-Glossar zum Download an, eine PDF-Liste sämtlicher OIDs, mit denen sich sämtliche Parameter aller Komponenten des Systems per SNMP abfragen ließen.
Alternativ richteten wir Benutzer mit konfiguriertem Bearer Token ein, die alle Werte per REST-API auslesen konnten. Der Übertragung der Werte in Drittsysteme, etwa eine Zeitreihendatenbank mit Visualisierung per Grafana, sind somit keine Grenzen gesetzt. Neben der Einrichtung lokaler Benutzer innerhalb der Plattform überzeugte auch die LDAP-Integration, die mehrere Gruppen von Benutzern importiert und automatisch Rollen innerhalb von KentixONE zuweist.
Die Abrechnung des Stromverbrauchs an einzelne Projekte oder Kunden erledigt die Software selbsttätig. Dazu pflegten wir im Menüpunkt "SmartPDU / Abrechnungen" zunächst die Stammdaten zu Kunden und Tarifen ein, um dann ein oder mehrere Phasen von einer oder mehreren Steckdosenleisten den jeweiligen Kunden zuzuordnen. Daraufhin erstellte die Plattform übersichtliche Berichte zu den Verbräuchen über die Zeit.
Zugangskontrolle für Serverracks
Zu guter Letzt schlossen wir noch einen Türgriff für das Serverrack per Verteilerbox an den Systemport einer SmartPDU an und integrierten das smarte Türschloss in unsere Plattform. Dazu fügten wir ein Gerät vom Typ "DoorLock-RA4 (IP)" hinzu, das wir an der entsprechenden PDU einlernten. Zutrittsprofile legen dabei Zeiten fest, zu denen berechtigte Benutzer das Schloss öffnen dürfen. Dabei konnten wir optional eine doppelte Authentifizierung verlangen, sodass Benutzer sich mittels RFID-Tag und zusätzlich per PIN-Eingabe zu erkennen geben müssen.
Der Versuch, das Schloss mit einem unbekannten RFID-Tag zu öffnen, generierte wie erwartet einen Alarm. Sobald wir das RFID-Tag einem berechtigten Benutzer zugeordnet hatten, konnte dieser das Schloss öffnen. Gut für Anforderungen des Datenschutzes: Wir durften wählen, ob KentixONE Schließvorgänge mit ausführlichen Informationen, ohne Benutzernamen oder gar nicht im Logbuch speichern soll.
Fazit
Die smarten Steckdosenleisten von Kentix konnten im Test vollauf überzeugen. Mit den zahlreichen Messobjekten sorgen die PDUs für Transparenz beim Betrieb eines Serverraums oder Rechenzentrums – sei es, um den PUE-Wert einer Infrastruktur zu bestimmen oder auch um Stromverbräuche an einzelne Projekte oder Kunden zu verrechnen. Darüber hinaus tragen die PDUs zur Sicherheit einer Infrastruktur bei, indem sie Fehlerzustände anhand der Umgebungsdaten erkennen. In Verbindung mit den intelligenten Türschlössern des Herstellers steuern sie zudem granular den Zugang zu Räumen und einzelnen Server-Racks. Ergänzt um weitere Komponenten aus dem Portfolio des Herstellers wächst das System so zur umfassenden Zutrittskontrolle und Alarmanlage.
(ln)
So urteilt IT-Administrator
Bewertung
Messobjekte8
Integration per KentixONE7
Schnittstellen8
Verbrauchsabrechnung8
Zugangskontrolle10
Dieses Produkt eignet sich
optimal
für Betreiber von Rechenzentren und Serverräumen mit mehreren Kunden.
bedingt
für kleine Unternehmen mit nur wenigen lokal betriebenen Servern.
nicht
für sehr kleine Firmen ohne lokalen Serverbetrieb.
(ln)