Während das Virtualisieren von Servern, Storage oder auch Clients sozusagen zu den Bordmitteln von IT-Abteilungen gehört, scheint beim Einsatz von Containern gerade in KMU eine gewisse Zurückhaltung zu herrschen. Dies liegt unter anderem an der Komplexität von Kubernetes, das die Container orchestriert. Wir sprachen mit Sebastian Scheele, CEO und Mitbegründer von Kubermatic, über die Herausforderungen und Vorteile der Technologie.
IT-Administrator: Auch in KMU ist Virtualisierung heute Standard, Container und Kubernetes hinken jedoch hinterher. Skizzieren Sie einmal, worin sich die Technologien unterscheiden und wo die jeweiligen Vorteile liegen.
: Virtualisierung war lange Zeit die gängige Methode, um begrenzte physische IT-Ressourcen effizienter zu nutzen. Bei der Virtualisierung kapseln traditionelle virtuelle Maschinen ganze Betriebssysteme ein. Dieser Ansatz benötigt gegenüber der jüngeren Container-Technologie jedoch mehr Ressourcen und erweist sich mittlerweile als nur eingeschränkt flexibel hinsichtlich Skalierbarkeit und Bereitstellung moderner Anwendungen wie KI und maschinelles Lernen. Container sind generell schlanker als VMs, teilen sich den OS-Kernel und ermöglichen ein schnelleres Deployment und effizientere Ressourcennutzung. Hier kommt Kubernetes als Open-Source-System zur Verwaltung von Container-Anwendungen ins Spiel. Kubernetes automatisiert die Orchestrierung von Containern, optimiert die Skalierung, sorgt für hohe Verfügbarkeit und reibungslose Bereitstellungsprozesse. Gegenüber der Virtualisierung liegen die Vorteile für KMU beim Einsatz von Containern unter Kubernetes in der besseren Ressourceneffizienz, umfassenden Workload-Automatisierung sowie mehr Flexibilität für Hybrid- und Multi-Cloudstrategien.
Welche IT-Infrastrukturen sind besonders geeignet für den Umstieg auf Kubernetes?
IT-Administrator: Auch in KMU ist Virtualisierung heute Standard, Container und Kubernetes hinken jedoch hinterher. Skizzieren Sie einmal, worin sich die Technologien unterscheiden und wo die jeweiligen Vorteile liegen.
: Virtualisierung war lange Zeit die gängige Methode, um begrenzte physische IT-Ressourcen effizienter zu nutzen. Bei der Virtualisierung kapseln traditionelle virtuelle Maschinen ganze Betriebssysteme ein. Dieser Ansatz benötigt gegenüber der jüngeren Container-Technologie jedoch mehr Ressourcen und erweist sich mittlerweile als nur eingeschränkt flexibel hinsichtlich Skalierbarkeit und Bereitstellung moderner Anwendungen wie KI und maschinelles Lernen. Container sind generell schlanker als VMs, teilen sich den OS-Kernel und ermöglichen ein schnelleres Deployment und effizientere Ressourcennutzung. Hier kommt Kubernetes als Open-Source-System zur Verwaltung von Container-Anwendungen ins Spiel. Kubernetes automatisiert die Orchestrierung von Containern, optimiert die Skalierung, sorgt für hohe Verfügbarkeit und reibungslose Bereitstellungsprozesse. Gegenüber der Virtualisierung liegen die Vorteile für KMU beim Einsatz von Containern unter Kubernetes in der besseren Ressourceneffizienz, umfassenden Workload-Automatisierung sowie mehr Flexibilität für Hybrid- und Multi-Cloudstrategien.
Welche IT-Infrastrukturen sind besonders geeignet für den Umstieg auf Kubernetes?
Unternehmen, die eine Cloud-First-Strategie oder einen Hybrid-Cloud-Ansatz verfolgen, sind prädestiniert für den Umstieg auf Kubernetes. Gleiches gilt für IT-Umgebungen, die Microservices-Architekturen nutzen, die flexibles Skalieren erfordern, und für Unternehmen, die Dev-Ops-Prozesse mit Continuous Integration/Continuous Deployment implementieren. Ebenso geeignet ist Kubernetes für Unternehmen, die Edge-Computing benötigen oder verteilte Standorte effizient verwalten wollen.
Informiert sich ein IT-Verantwortlicher über Kubernetes, ist fast immer der erste Punkt, den er findet, die Aussage "Kubernetes ist komplex". Können Sie drei Beispiele nennen, die diese Komplexität verdeutlichen?
Hier ist zunächst das Cluster-Management zu nennen. Das Bereitstellen, das Skalieren und der Betrieb verteilter Cluster erfordern in jedem Fall umfangreiches Fachwissen. Weitere Aspekte sind das Netzwerk- und das Speichermanagement. Kubernetes benötigt spezialisierte Lösungen für übergreifende Servicekommunikation und für persistente Speicherung. Um es mit den Worten von Kelsey Hightower zu sagen: "Die Leute sagen, Kubernetes ist komplex, weil sie es nicht verstehen." Mit der Zeit, wenn Teams Erfahrung sammeln und sich mit der Technologie vertraut machen, erkennen sie oft, dass Kubernetes nicht von Natur aus komplex ist. Es ist nur ein leistungsstarkes Werkzeug, das Wissen und Schulung erfordert.
Dazu kommt, dass auch der Rahmen stimmen muss und Admins bei Kubernetes Themen wie Sicherheit, Monitoring sowie Netzwerk- und Storage-Management berücksichtigen müssen. Wie umfangreich und herausfordernd schätzen Sie diese Tasks für KMU ein?
Die angesprochenen Themen können für KMU mit begrenzten personellen IT-Ressourcen mitunter herausfordernd sein. Was die Sicherheit betrifft, erfordert Kubernetes insbesondere ein Zero-Trust-Modell, strenge Zugriffskontrollen und regelmäßige Patches. Für das Monitoring sind Tools wie Prometheus und Grafana essenziell, aber komplex zu konfigurieren. Hinsichtlich Netzwerkmanagement ist zu berücksichtigen, dass Service-Meshes wie Istio zwar den operativen Aufwand erhöhen, jedoch die Sicherheit und Sichtbarkeit verbessern. Beim Thema Speicher ist zu beachten, dass zustandsorientierte, also "stateful", Anwendungen persistente Volumes und Integrationen mit Speicherumgbungen wie beispielsweise Ceph oder Longhorn benötigen. Dies alles sind Themen, die eine gewisse, teils schon speziellere Expertise voraussetzen.
Wie hoch ist Ihrer Meinung nach bei einer realistischen Betrachtung der Know-how-Anforderungen, die wir in den letzten beiden Fragen kennengelernt haben, die Hürde für eine Kubernetes-Einführung in KMU?
Kubernetes bringt eine steile Lernkurve mit. IT-Teams müssen sehr spezielle Themen wie YAML-Konfigurationen, Helm-Charts und Kubernetes-Operatoren beherrschen. Der generelle Fachkräftemangel in der IT kommt hier noch stärker zum Tragen, denn Kubernetes-Expertise ist umso schwerer zu finden. Hinzu kommt der operative Aufwand. Die Einrichtung ist nur der erste Schritt, denn laufende Updates, Skalierung und Sicherheitsmanagement erfordern kontinuierliche Arbeit, damit Kubernetes wie vorgesehen funktioniert. Externe Beratungsdienste können helfen, die Hürde für die Einführung von Kubernetes zu senken, indem sie Anleitungen bieten, Implementierungsrisiken reduzieren und KMU während des gesamten Einführungsprozesses unterstützen. Managed-Kubernetes-Plattformen, wie die Kubermatic Kubernetes Platform, verringern die Komplexität und den operativen Aufwand und machen die Einführung machbarer.
Sie sprechen es an: Bei einem Umstieg spielt externe Beratung eine wichtige Rolle. Wie beurteilen Sie die Situation bei Kubernetes-Dienstleistern in Deutschland und worauf muss bei der Auswahl geachtet werden?
Wichtige Auswahlkriterien sind Erfahrung in den Bereichen Multi Cloud und Hybrid Cloud, ebenso wie Open-Source-Expertise und SLA-Angebote. Bei KMU kommt es zudem auf die Spezialisierung für diese Unternehmensgrößen an. In Frage kommende Anbieter sollten spezifische Bedürfnisse kleiner und mittlerer Unternehmen bedienen, nicht nur Lösungen für die Skalierung im großen Stil. Entscheidend ist letztlich auch eine umfassende Unterstützung während des gesamten Prozesses – vom Proof of Concept bis zur vollständigen Produktionsbereitstellung.
Know-how sind die eine, Kosten die andere Hürde. Mit welchen Budgetanforderungen müssen IT-Verantwortliche rechnen, die ihre Infrastruktur in Sachen Kubernetes umbauen wollen?
Hier fallen zunächst Kosten für das Einrichten, die Migration und die Schulung von internen Teams an. Hinzu kommen dann laufende Kosten für Cluster-Betrieb, Monitoring und Support. Open Source eröffnet aber auch Möglichkeiten zur Kosteneinsparung, diese bieten oft kostengünstige Alternativen zu Hyperscaler-basierten Angeboten.
Gleichzeitig gilt: Je größer die Anstrengung, desto größer die Belohnung. Mit welchen Benefits kann ein Unternehmen durch Container und Kubernetes rechnen?
Organisationen gewinnen an Agilität durch schnellere Softwareentwicklung mit automatisierten Bereitstellungen und an Skalierbarkeit, da sich die Ressourcen automatisch der Nachfrage anpassen. Ebenso profitieren sie von Kosteneinsparungen, denn eine optimierte Hardwarenutzung senkt die Infrastrukturkosten. Kubernetes bedeutet vor allem aber auch Plattformunabhängigkeit, was Multi-Cloud- und Hybrid-Cloud-Bereitstellungen vereinfacht.
Können IT-Verantwortliche, die all diese Anforderungen aktuell noch als zu hoch empfinden, künftig damit rechnen, dass die Technologie einfacher wird? Immerhin zeigt die Erfahrung, dass Technologien mit hoher produktiver Adaption ein Ökosystem entwickeln, das vieles vereinfacht.
Es gibt mehrere Ansätze, um die Einführung von Kubernetes möglichst reibungslos zu gestalten. Hierzu gehören zunächst einmal bessere Managementtools und Automatisierung. Managed-Kubernetes-Dienste reduzieren ebenso den operativen Aufwand und senken die Einstiegshürden. Darüber hinaus entwickeln Unternehmen aktiv Produkte, um die Nutzung von Kubernetes zu vereinfachen. Eine wichtige Innovation in diesem Bereich sind die Kubernetes Developer Platforms, eine Art von internen Entwicklerplattformen, die auf Kubernetes basieren. Diese nutzen Kubernetes als Grundlage und erleichtern Entwicklern den Aufbau und die Bereitstellung von Anwendungen, ohne umfassende Kenntnisse über die darunterliegende Infrastruktur zu benötigen. Durch solche Plattformen können Entwickler das volle Potenzial der Container-Orchestrierung nutzen, auch ohne tiefergehendes Fachwissen über die Kubernetes-Architektur. Bei Kubermatic entwickeln wir die Kubermatic Developer Platform, um häufige Entwicklungsengpässe zu adressieren, wie etwa die manuelle Serviceerstellung, lange Wartezeiten und fragmentiertes Servicemanagement. All dies vereinfacht die Bereitstellung und das Servicemanagement, was es Teams erleichtert, Kubernetes effizient einzuführen und zu nutzen.
Zum Abschluss noch eine Frage an Sie als Kubernetes-Praktiker: Welche drei Features würden Sie sich ad-hoc in der Software wünschen?
Hier habe ich eigentlich nur zwei Wünsche. Der eine wäre eine verbesserte native Backup- und Restore-Funktionalität, denn Kubernetes ist weiterhin auf externe Werkzeuge angewiesen. Mein zweites Wunschfeature wäre ein integriertes Multi-Cluster-Management, also ein einheitlicherer Ansatz, ohne dass zusätzliche Tools erforderlich sind.
Wir danken für das Gespräch.
Sebastian Scheele, CEO und Mitbegründer von Kubermatic