Als Redakteur einer IT-Zeitschrift stehe ich technologischen Themen naturgemäß sehr offen gegenüber. Computer, Internet und künstliche Intelligenz waren für mich schon immer meist positiv besetzt; seit Jahrzehnten lese ich Klassiker und Neuerscheinungen der Science Fiction, deren Autoren so manche Entwicklung teils verblüffend genau vorhergesagt haben. Doch mein Technik-Enthusiasmus leidet derzeit stark. Das liegt nicht nur an den wirren politischen Umtrieben des reichsten Menschen der Erde und Techvisionärs Elon Musk. Es sind auch die Prognosen und Wunschvorstellungen bedachter Technologieexperten, die mich erschrecken lassen.
So geht die 77-jährige KI-Ikone Ray Kurzweil, derzeit als "AI Visionary" bei Google auf dem Lohnzettel, davon aus, dass es in nicht einmal fünf Jahren möglich sein wird, den Neokortex unseres Gehirns in direkte Verbindung mit einem Computer zu setzen – etwa mithilfe von Implantaten. Der Transhumanist sieht das aber nicht etwa kritisch, sondern freut sich sogar darauf. In einem Interview mit der ZEIT in Ausgabe 32/2025 [Link-Code p9s21] bekräftigt er, dass "wunderbare" Zeiten anbrechen würden, wenn Mensch und künstliche Intelligenz einmal miteinander verschmolzen seien. Seine Begeisterung gipfelt in weiteren Aussagen, etwa dass KI-basierte Rüstungsprojekte primär von großen Unternehmen entwickelt werden sollten, "denn die sind motiviert, Fehler zu vermeiden, für die sie haften müssten". Auf die Frage, woher er denn diesen Optimismus nähme, entgegnet Kurzweil, dass sich der Mensch ja trotz der Entwicklung der Atombombe zumindest bisher nicht selbst vernichtet habe und es auch mit der KI schon gutgehen werde.
Kurzweils Wort in Gottes Ohr. Dass sich die Entwicklung von IT und besonders von künstlicher Intelligenz vor allem in den Händen von amerikanischen (und chinesischen) Großkonzernen befindet, stimmt mich wenig vertrauensvoll. Die Profitmaximierung wird meiner Meinung nach in erster Linie dazu führen, dass sich die Thiels und Zuckerbergs dieser Welt noch eine weitere Insel oder Gated Community kaufen können, wo sie dem Klimawandel und den von ihnen mitverursachten sozialen Verwerfungen trotzen wollen.
Als Redakteur einer IT-Zeitschrift stehe ich technologischen Themen naturgemäß sehr offen gegenüber. Computer, Internet und künstliche Intelligenz waren für mich schon immer meist positiv besetzt; seit Jahrzehnten lese ich Klassiker und Neuerscheinungen der Science Fiction, deren Autoren so manche Entwicklung teils verblüffend genau vorhergesagt haben. Doch mein Technik-Enthusiasmus leidet derzeit stark. Das liegt nicht nur an den wirren politischen Umtrieben des reichsten Menschen der Erde und Techvisionärs Elon Musk. Es sind auch die Prognosen und Wunschvorstellungen bedachter Technologieexperten, die mich erschrecken lassen.
So geht die 77-jährige KI-Ikone Ray Kurzweil, derzeit als "AI Visionary" bei Google auf dem Lohnzettel, davon aus, dass es in nicht einmal fünf Jahren möglich sein wird, den Neokortex unseres Gehirns in direkte Verbindung mit einem Computer zu setzen – etwa mithilfe von Implantaten. Der Transhumanist sieht das aber nicht etwa kritisch, sondern freut sich sogar darauf. In einem Interview mit der ZEIT in Ausgabe 32/2025 [Link-Code p9s21] bekräftigt er, dass "wunderbare" Zeiten anbrechen würden, wenn Mensch und künstliche Intelligenz einmal miteinander verschmolzen seien. Seine Begeisterung gipfelt in weiteren Aussagen, etwa dass KI-basierte Rüstungsprojekte primär von großen Unternehmen entwickelt werden sollten, "denn die sind motiviert, Fehler zu vermeiden, für die sie haften müssten". Auf die Frage, woher er denn diesen Optimismus nähme, entgegnet Kurzweil, dass sich der Mensch ja trotz der Entwicklung der Atombombe zumindest bisher nicht selbst vernichtet habe und es auch mit der KI schon gutgehen werde.
Kurzweils Wort in Gottes Ohr. Dass sich die Entwicklung von IT und besonders von künstlicher Intelligenz vor allem in den Händen von amerikanischen (und chinesischen) Großkonzernen befindet, stimmt mich wenig vertrauensvoll. Die Profitmaximierung wird meiner Meinung nach in erster Linie dazu führen, dass sich die Thiels und Zuckerbergs dieser Welt noch eine weitere Insel oder Gated Community kaufen können, wo sie dem Klimawandel und den von ihnen mitverursachten sozialen Verwerfungen trotzen wollen.
Am Ende des Interviews verrät Kurzweil, dass er mithilfe künstlicher Intelligenz eine digitale Kopie seines Vaters erstellt habe, mit der er sich nun unterhält. Was sein Vater denn wohl von KI gehalten hätte, will daraufhin die ZEIT wissen. Kurzweils Antwort: "Er mochte keine Maschinen. Er sagte immer, Maschinen machen die Menschen klein."
Ich wünsche Ihnen, dass Sie weiterhin die Oberhand über Ihre digitale Umgebung behalten. Ihr