IP-Listen in Excel, VLANs in Textdateien und Rack- Belegungen im Kopf – so arbeiten noch viele Admins. Doch Spätestens, wenn die Netzwerke wachsen und Virtualisierung, Cloud und Automatisierung dazukommen, wird das Chaos perfekt. NetBox schafft hier Abhilfe und vereint IP-Address-Management und Data-Center- Infrastructure-Management. Wie Sie die Open-Source-Software installieren, strukturieren und mit Tools wie Ansible und Terraform in Ihre Automatisierungslandschaft einbinden, zeigt dieser Workshop.
In vielen Unternehmen verstaubt das Netzwerkwissen immer noch in Excel-Dateien. IP-Adressbereiche, VLANs, Switchports: alles fein säuberlich aufgelistet, aber eben nur so lange konsistent, bis jemand vergisst, eine Zelle zu aktualisieren. Hinzu kommt: Kaum jemand dokumentiert physische Geräte, Verkabelungen oder virtuelle Netzwerke vollständig. Spätestens wenn mehrere Admins parallel an der Infrastruktur arbeiten, bricht dieses Kartenhaus zusammen. Mit wachsender Komplexität (Virtualisierung, Cloud, Container, Automatisierung) stoßen solche Tabellen an ihr Limit. Wer wissen will, welche VM in welchem Subnetz hängt oder welcher Port an welchem Switch tatsächlich frei ist, muss sich oft durch verschiedene Tools klicken oder alte Notizen durchforsten.
Genau hier setzt NetBox [1] an. Das Open-Source-Projekt von Jeremy Stretch, ursprünglich bei DigitalOcean entwickelt, wurde von Anfang an als "Source of Truth" gedacht – also als zentrale, vertrauenswürdige Datenbasis für alle Infrastrukturinformationen. Statt veralteten Tabellen verwaltet NetBox Ihre komplette Netzwerk- und Rechenzentrumsdokumentation in einem konsistenten, logisch verknüpften Modell. Die Idee dahinter ist so einfach wie mächtig: Infrastruktur wird nicht mehr in losen Dateien beschrieben, sondern als Datenobjekte mit Beziehungen. Eine IP-Adresse gehört zu einem Interface, das Interface zu einem Gerät, das Gerät zu einem Rack und dieses wiederum zu einem Standort. Das Ganze lässt sich zudem nahtlos mit Tools wie Ansible oder Terraform verbinden.
NetBox als einheitliche Datenbasis
NetBox ist eine quelloffene Plattform, die physische und virtuelle Infrastruktur in einer einheitlichen Datenbasis erfasst – von Racks und Geräten über Netzwerke bis hin zu IP-Adressräumen und virtuellen Maschinen. Entwickelt wurde sie auf Basis von Python und Django, mit PostgreSQL als Datenbank und Redis als Cache. Das Ganze läuft wahlweise klassisch auf einem Linux-Server, als Docker-Container oder in Kubernetes.
In vielen Unternehmen verstaubt das Netzwerkwissen immer noch in Excel-Dateien. IP-Adressbereiche, VLANs, Switchports: alles fein säuberlich aufgelistet, aber eben nur so lange konsistent, bis jemand vergisst, eine Zelle zu aktualisieren. Hinzu kommt: Kaum jemand dokumentiert physische Geräte, Verkabelungen oder virtuelle Netzwerke vollständig. Spätestens wenn mehrere Admins parallel an der Infrastruktur arbeiten, bricht dieses Kartenhaus zusammen. Mit wachsender Komplexität (Virtualisierung, Cloud, Container, Automatisierung) stoßen solche Tabellen an ihr Limit. Wer wissen will, welche VM in welchem Subnetz hängt oder welcher Port an welchem Switch tatsächlich frei ist, muss sich oft durch verschiedene Tools klicken oder alte Notizen durchforsten.
Genau hier setzt NetBox [1] an. Das Open-Source-Projekt von Jeremy Stretch, ursprünglich bei DigitalOcean entwickelt, wurde von Anfang an als "Source of Truth" gedacht – also als zentrale, vertrauenswürdige Datenbasis für alle Infrastrukturinformationen. Statt veralteten Tabellen verwaltet NetBox Ihre komplette Netzwerk- und Rechenzentrumsdokumentation in einem konsistenten, logisch verknüpften Modell. Die Idee dahinter ist so einfach wie mächtig: Infrastruktur wird nicht mehr in losen Dateien beschrieben, sondern als Datenobjekte mit Beziehungen. Eine IP-Adresse gehört zu einem Interface, das Interface zu einem Gerät, das Gerät zu einem Rack und dieses wiederum zu einem Standort. Das Ganze lässt sich zudem nahtlos mit Tools wie Ansible oder Terraform verbinden.
NetBox als einheitliche Datenbasis
NetBox ist eine quelloffene Plattform, die physische und virtuelle Infrastruktur in einer einheitlichen Datenbasis erfasst – von Racks und Geräten über Netzwerke bis hin zu IP-Adressräumen und virtuellen Maschinen. Entwickelt wurde sie auf Basis von Python und Django, mit PostgreSQL als Datenbank und Redis als Cache. Das Ganze läuft wahlweise klassisch auf einem Linux-Server, als Docker-Container oder in Kubernetes.
Statt Tabellen mit statischen Einträgen nutzt NetBox ein relationales Modell, Objekte und ihre Beziehungen sind logisch verknüpft. So lassen sich Abhängigkeiten und Zusammenhänge unmittelbar nachvollziehen, etwa, welche Geräte an einem Standort stehen, welche Interfaces verbunden sind oder welche VLANs in einem bestimmten Subnetz arbeiten. Die Software ist dabei modular aufgebaut:
- IPAM: Verwaltet IP-Adressen, Subnetze, VLANs und VRFs mit Status- und Hierarchielogik.
- DCIM: Bildet physische Standorte, Racks, Geräte und Verkabelungen ab.
- Virtualization: Erfasst virtuelle Maschinen und Hosts, inklusive Cluster-Zuordnung.
- Circuits: Dokumentiert Providerleitungen, Peering- und WAN-Verbindungen.
- Tenancy: Ordnet Objekte bestimmten Abteilungen, Kunden oder Projekten zu.
Ergänzend bietet NetBox Features wie Custom Fields, Tags, Secrets und ein fein abgestuftes Rollen- und Rechtekonzept. Alle Daten lassen sich über ein modernes REST- und GraphQL-API abrufen oder ändern – die Weboberfläche ist also nur eine von vielen Zugriffsmöglichkeiten.
Installation und erste Schritte
NetBox lässt sich auf verschiedene Arten bereitstellen, je nach Umgebung und Anspruch. Die Basis bleibt dabei immer gleich: Python, Django, PostgreSQL und Redis. Der Rest hängt davon ab, ob Sie NetBox klassisch auf einem Linux-Server installieren oder lieber containerisiert betreiben wollen.
Wer die volle Kontrolle bevorzugt, kann NetBox direkt aus dem Quellcode installieren. Auf einem Debian- oder Ubuntu-Server reichen im Prinzip ein paar Pakete und Git. Nach der Installation von Python, pip und den Systembibliotheken klonen Sie in dem Fall das Repository und richten per pip install -r requirements.txt die Umgebung ein. Anschließend folgen PostgreSQL und Redis, danach die Django-Migrationen und das Anlegen eines Superusers. Diese Variante ist transparent und ideal für Tests oder kleine Umgebungen, verlangt aber etwas Pflege bei Updates und Abhängigkeiten.
Deutlich einfacher ist die containerisierte Variante. Das offizielle Projekt netbox-docker bringt alles mit: Applikation, Datenbank, Redis und optional nginx in einer definierten Compose-Struktur. Ein typisches Setup startet mit:
Anschließend erstellen Sie den Superuser über den folgenden Befehl – nach der Eingabe folgt die Frage nach einem Benutzernamen, einer E-Mail-Adresse sowie dem Passwort für den Account:
Nach wenigen Minuten läuft NetBox unter "http://localhost:8000".
Deployment via Helm Chart
Für produktive Umgebungen oder Cluster-Setups ist das offizielle Helm Chart der sauberste Weg. Es integriert NetBox nativ in Kubernetes und bringt fertige Deployments für Web, Worker und Housekeeping mit, inklusive Ingress, Secrets und Persistent Volumes. Die NetBox-Installation führen Sie dann so durch:
Für den produktiven Betrieb lohnt sich außerdem eine externe PostgreSQL-Datenbank, tägliche Backups und ein Reverse Proxy (nginx oder Traefik) mit TLS. Redis sollte als persistenter Service laufen, da es Aufgaben-Queues und Caching übernimmt. Mit wenigen Schritten steht damit ein voll funktionsfähiges NetBox-System bereit, um Ihre Infrastruktur sauber abzubilden und künftig automatisiert zu verwalten.
IP-Adressen verwalten
Im Alltag beginnt fast jede NetBox-Einführung mit dem IPAM-Modul. Es ist das Herzstück vieler Installationen und zeigt sofort, wie mächtig das Datenmodell ist.
Nach dem ersten Login finden Sie im Menü IPAM alles, was mit Adressverwaltung zu tun hat: Prefixes, IP-Adressen, VLANs, VRFs und Services. Prefixes sind die logischen Subnetze, also zum Beispiel 10.1.0.0/16 für das gesamte Firmennetz oder 10.1.10.0/24 für ein Standortnetz. NetBox erlaubt es, diese Bereiche hierarchisch zu strukturieren. Ein /16 kann also mehrere /24-Netze enthalten, die wiederum IP-Adressen verwalten. Das Anlegen erfolgt über das Webinterface oder per API. Im UI wählen Sie Add Prefix, geben Netz, Beschreibung und Status ein.
Bild 1: Das Anlegen eines neuen Prefixes im NetBox-IPAM-Modul über das Webinterface.
Anschließend können Sie Adressen automatisch vergeben lassen. Gerade diese Funktion hat das Potenzial zum echten Gamechanger für die Zusammenarbeit im Netzwerkteam. Sie müssen lediglich auf den jeweiligen Prefix navigieren und können sich anschließend eine IP-Adressen oder ganze Ranges "ziehen" und diese damit konfigurieren. Eine IP-Adresse respektive eine IP-Adress-Range kann dabei einen der folgenden Status haben:
- Aktiv
- Reserviert
- Veraltet
- DHCP
- SLAAC
NetBox erkennt Überschneidungen, kennzeichnet freie Bereiche und erlaubt eine automatische IP-Zuweisung. Über den Menüpunkt Available IPs lässt sich der nächste freie Host direkt reservieren. Ein weiteres Highlight ist die VLAN-Verwaltung. VLANs lassen sich global oder standortbezogen anlegen und mit Prefixen verknüpfen. Damit weiß NetBox genau, welches VLAN an welchem Standort aktiv ist und welche Geräte es nutzen.
Wer mit Routingdomänen arbeitet, profitiert von den VRFs (Virtual Routing and Forwarding). Damit lassen sich überlappende Adressräume modellieren, etwa bei Mandanten oder Entwicklungsumgebungen. Durch diese konsequente Struktur entsteht ein sauberes, konfliktfreies Adressmodell. Und weil alle Objekte eindeutig referenziert sind, können Automatisierungstools jederzeit zuverlässig darauf zugreifen, egal ob für Provisionierung, Monitoring oder Dokumentation.
Physische Geräte erfassen
Während das IPAM-Modul den logischen Teil der Infrastruktur abbildet, kümmert sich der DCIM-Bereich in NetBox um die physische Realität: Also um alles, was Sie im Rechenzentrum tatsächlich anfassen können. Hier erfassen Sie Standorte, Racks, Geräte, Kabelverbindungen und Strompfade. Damit wird sichtbar, wo Server stehen, wie sie angeschlossen sind und welche Ports noch frei sind.
Der Einstieg erfolgt über "Organization / Sites". Eine Site ist ein physischer Standort, zum Beispiel "Frankfurt RZ1" oder "Büro München". Innerhalb einer Site können Sie Racks anlegen inklusive Größe, Position, Höhe und Seriennummern. NetBox kennt die gängigen Rackstandards (42 HE, 48 HE et cetera) und stellt die Geräte später automatisch an der richtigen Position dar.
Bild 2: Darstellung eines Racks im NetBox-DCIM-Modul mit Front- und Rückansicht sowie Gerätezuordnung.
Die Verwaltung der Geräte wiederum findet über "Devices" statt. Beim Anlegen wählen Sie zunächst den Gerätetyp (etwa "Dell PowerEdge R740" oder "Cisco Catalyst 9300"). Das Gerät landet dann im Rack an der gewünschten Position und kann dort mit Interfaces, IP-Adressen oder VLANs verknüpft werden. Ein Beispiel: Sie erfassen einen Core-Switch, fügen seine Ports als Interfaces hinzu und verbinden diese mit anderen Geräten oder Uplink-Ports. NetBox bildet diese physische Verbindung bidirektional ab. Über den Menüpunkt "Connections" können Sie jederzeit prüfen, welche Ports belegt sind, inklusive Layer-1-Topologie. Auch Stromversorgung lässt sich abbilden. Power Feeds und PDUs (Power Distribution Units) zeigen, welche Geräte an welchen Stromkreisen hängen. In größeren Umgebungen hilft das bei der Planung von Redundanz und Lastverteilung.
Das DCIM-Modul beschränkt sich aber nicht nur auf Hardware-Inventarisierung. Es ist die Brücke zur Automatisierung: Ein Switch, der in NetBox als "in Betrieb" markiert ist, kann automatisch in das Ansible-Inventory aufgenommen werden. Ein Gerät mit dem Status "Planned" taucht dagegen erst im Deployment-Workflow auf, sobald es wirklich provisioniert wird. Mit dieser Kombination aus physischem Modell und logischen Beziehungen entsteht eine digitale Kopie Ihres Rechenzentrums: eine Single Source of Truth für alles, was mit Hardware, Verkabelung und Netzwerktopologie zu tun hat.
NetBox als API-Plattform
NetBox ist vollständig API-basiert aufgebaut. Alles, was Sie über die Weboberfläche tun, lässt sich genauso über REST oder GraphQL erledigen. Das REST-API ist der Standardweg, wenn Sie Daten anlegen, ändern oder löschen wollen. Es ist unter /api/ erreichbar und deckt sämtliche Module ab. Das GraphQL-API ist dagegen lesend, aber deutlich flexibler bei komplexen Abfragen, etwa wenn Sie Geräte inklusive Standort, VLANs und Interfaces in einem Rutsch abrufen möchten.
Der Zugriff erfolgt per Token. Im Benutzerkonto legen Sie unter "API Tokens" ein neues Token an und fügen es bei jedem Request den Header "Authorization: Token" hinzu. Das stellt sicher, dass Automatisierungstools dieselben Rechte haben wie der zugehörige Benutzer – nicht mehr und nicht weniger. Für die folgenden Beispiele setzen wir ein gültiges API-Token als Umgebungsvariable:
export NETBOX_TOKEN="<Token>"
Um etwa alle Geräte abzurufen, reicht ein GET-Request auf "/api/dcim/devices/":
curl -X POST https://netbox.philiplorenz.com/api/ipam/prefixes/ \
-H "Authorization: Token $NETBOX_TOKEN" \
-H "Content-Type:
application/json" \
-d '{"prefix": "10.10.10.0/24",
"status": "active"}'
Neben der REST-Schnittstelle bietet NetBox auch ein GraphQL-API unter /graphql/. Es ist schreibgeschützt, erlaubt dafür aber wesentlich effizientere Abfragen. Statt mehrere Endpunkte nacheinander abzufragen, können Sie in einem Request genau die Felder definieren, die Sie benötigen, etwa Name, Standort und primäre IP-Adresse eines Geräts:
curl -H "Authorization: Token
$NETBOX_TOKEN" \
-H "Content-Type: application/
json" \
-X POST https://netbox. philiplorenz.com/graphql/ \
--data '{"query": "{ device_ list { id name site { name } primary_ip4 { address } } }"}'
Das Ergebnis ist ein schlankes JSON mit allen relevanten Informationen ohne zusätzliche API-Aufrufe oder Filterlogik.
GraphQL ist in NetBox kein Gimmick, sondern eine echte Weiterentwicklung gegenüber dem klassischen REST-API. Während Sie bei REST für jede Objektbeziehung einen eigenen Endpunkt anfragen müssen (etwa "/devices/", anschließend "/sites/" und dann "/ip-addresses/") bündelt GraphQL alles in einer einzigen Query. Sie fragen genau die Felder ab, die Sie wirklich brauchen, und sparen sich damit gleich mehrere Requests.
Das ist besonders dann ein Vorteil, wenn Sie komplexe Strukturen abbilden möchten – beispielsweise eine Liste aller Geräte mit Standort, primärer IP-Adresse und VLAN-Zuordnung. REST würde dafür zig API-Aufrufe und Joins im Client erfordern. GraphQL dagegen liefert das Ganze in einem Rutsch zurück, klar strukturiert als JSON und ohne überflüssige Daten.
Integration in Automatisierung
Der wahre Wert von NetBox zeigt sich vor allem, wenn es Teil Ihrer Automatisierung wird. Das API ist nicht nur zum Abfragen gedacht, sondern als Fundament für Infrastructure-as-Code. Ansible, Terraform oder CI/CD-Pipelines können direkt auf NetBox zugreifen und die Daten nutzen, statt sie doppelt zu pflegen.
Ansible ist ein Open-Source-Automatisierungstool, das wiederkehrende Aufgaben auf Servern, Netzwerkgeräten oder Containern ausführt: Software installieren, Konfigurationen anpassen oder Systeme neu starten. Es arbeitet agentenlos und die Zielsysteme werden in der Regel einfach per SSH oder WinRM angesprochen, ohne dass dort ein zusätzlicher Dienst laufen muss.
Damit Ansible weiß, welche Systeme es ansprechen soll, braucht es ein sogenanntes Inventory. Das ist eine Liste aller verwalteten Hosts und Gruppen; traditionell als statische Datei, meist im INI- oder YAML-Format. Dort stehen IP-Adressen, Hostnamen, Gruppen und Variablen. In kleinen Umgebungen ist das noch überschaubar, aber vorallem in großen oder dynamischen Umgebungen, wird die Pflege schnell mühsam.
Genau hier spielt NetBox seine Stärke aus. Für Ansible existiert ein offizielles Inventory-Plug-in namens netbox.netbox.nb_inventory. Es ersetzt die statischen Dateien durch ein dynamisches Inventory, das seine Informationen direkt aus NetBox bezieht. Alles, was Sie in NetBox anlegen (Server, Switches, VMs), erscheint automatisch als Host im Ansible-Inventar. Keine doppelten Listen, keine veralteten IPs. Änderungen in NetBox wirken sich unmittelbar auf Ihre Automatisierung aus.
Bild 3: Ansible-Workflow mit dynamischem Inventory, bei dem Hostdaten während der Playbook-Ausführung aus externen Quellen wie NetBox abgerufen werden.
Ein einfaches Beispiel: Sie haben in NetBox einen Server namens srv-01 mit einer IP-Adresse, die als "primary IP" markiert ist. Dann reicht in Ansible folgende Konfiguration, um daraus ein Inventory zu generieren:
# ansible.cfg
[inventory]
enable_Plug-ins = netbox.netbox.nb_inventory
# inventory.yml
Plug-in: netbox.netbox.nb_inventory
api_endpoint: https://netbox.philiplorenz.com
token: "{{ lookup('env', 'NETBOX_TOKEN') }}"
validate_certs: false
group_by:
- sites
- device_roles
compose:
ansible_host: primary_ip4.address
Wenn Sie jetzt ansible-inventory --list ausführen, liest Ansible automatisch alle Geräte aus NetBox ein. Der Host srv-01 erscheint mit seiner IP als ansible_host, gruppiert nach Standort und Rolle. Sie müssen nur noch ein Playbook schreiben:
# playbooks/configure_servers.yml
- hosts: sites_datacenter_mannheim
gather_facts: false
tasks:
- name: Führe Befehl auf allen Servern im Datacenter Mannheim aus
ansible.builtin.command: hostname
Und starten den Lauf mit:
ansible-playbook playbooks/ configure_server.yml
Über diese Mechanik lassen sich Automatismen sauber von der Datenschicht trennen. Datenpflege findet ausschließlich in NetBox statt – Inventories oder Eingabevariablen werden automatisch und in Echtzeit aus NetBox importiert statt über manuelle Pflege, die immer auch fehleranfällig und im schlimmsten Fall veraltet ist.
Erweiterung durch Plug-ins
NetBox lebt von seiner Offenheit. Neue Funktionen lassen sich über Plug-ins ergänzen, ohne dass der Kerncode verändert werden muss. So bleibt das System updatefähig und flexibel. Eine Übersicht von zertifizierten und Community-Erweiterungen gibt es unter [2].
Ein häufig genutztes Plug-in ist netbox-topology-views [3]. Das Plug-in fügt NetBox eine interaktive Netzwerk-Topologieansicht hinzu. Es visualisiert Geräte, Verbindungen und Pfade direkt im Browser – ideal, um physische und logische Zusammenhänge auf einen Blick zu sehen.
Zuerst installieren Sie das Plug-in mit pip install netbox-topology-views. Dann tragen Sie es in der NetBox-Konfiguration ein mittels:
# configuration.py
Plug-inS = ["netbox_topology_views"]
Im Anschluss aktualisieren Sie die Migrations- und Static-Dateien:
python3 manage.py migrate
python3 manage.py collectstatic --no-input
Ein Neustart der NetBox-Dienste aktiviert das Plug-in:
sudo systemctl restart netbox netbox-rq
Nach dem Neustart finden Sie im Menü den neuen Eintrag "Topology Views". Dort lassen sich Verbindungen zwischen Geräten und Racks visuell anzeigen. Die Darstellung basiert auf den Verkabelungsdaten, die bereits in NetBox hinterlegt sind.
Bild 4: Visualisierung von Verbindungen im NetBox-Plug-in "Topology View" auf Basis hinterlegter Verkabelungsdaten.
Neben netbox-topology-views gibt es eine Vielzahl weiterer Plug-ins, zum Beispiel für Device-Lifecycle-Management, IP-Reporting oder Sicherheitsprüfungen. Alle folgen demselben Prinzip: Installation per pip, Eintrag in "configuration.py", anschließend Migration und Neustart. Sofern Sie NetBox wie empfohlen mittels Helm in Kubernetes installiert haben, können Sie Plug-ins direkt über die "values"-Datei des Helm-Releases installieren und konfigurieren.
Nachrichten per Webhooks
Ergänzend dazu lassen sich mit Webhooks externe Systeme automatisch benachrichtigen. Sie werden über "Admin / Webhooks" eingerichtet und lösen HTTP-Requests aus, wenn bestimmte Ereignisse in NetBox auftreten, etwa beim Erstellen, Ändern oder Löschen eines Objekts.Ein einfaches Beispiel: Legen Sie in NetBox ein neues Gerät an, sendet ein Webhook eine JSON-Nachricht an eine Automatisierungsplattform, die daraufhin ein Ansible-Playbook startet oder Monitoringdaten aktualisiert. Das macht NetBox zu einer zentralen Dokumentation und Integrationsplattform, die nicht nur Daten verwaltet, sondern aktiv Workflows in Bewegung setzt. Plug-ins erweitern die Oberfläche, Webhooks vernetzen das System mit dem Rest Ihrer Infrastruktur.
Fazit
Wer NetBox einmal richtig aufsetzt, merkt schnell, dass sich damit nahezu jedes Infrastrukturdetail abbilden lässt: Racks, Geräte, IPs, VLANs, Virtualisierung, Cloudverbindungen, Providerstrecken, selbst Custom-Felder für projektspezifische Attribute. Damit das funktioniert, braucht es aber Planung. NetBox entfaltet seine Stärke nur, wenn das zugrundeliegende Datenmodell sauber konzipiert ist.
Bevor Sie also in die Installation oder gar Integration mit Tools wie Ansible oder Terraform gehen, sollten Sie sich intensiv mit der Objektstruktur vertraut machen: Welche Beziehungen gibt es zwischen Sites, Devices, Interfaces und Prefixes? Wie lassen sich Rollen, Status und Tenants sinnvoll nutzen? Welche Daten sollen später automatisiert aus NetBox ausgelesen oder geändert werden? Wenn Ansible genutzt wird: Wie sollte das dynamische Inventory aufgebaut sein?
Ein durchdachtes Modell verhindert spätere Inkonsistenzen und unnötige Reorganisationen. Wer hier investiert, spart später enorm viel Zeit, vor allem, wenn NetBox zum Dreh- und Angelpunkt von Automatisierung und Dokumentation wird. Die Software bietet eine immense Funktionsvielfalt, allerdings entfaltet sie nur dann ihren vollen Nutzen, wenn die zugrunde liegenden Objekte konsequent und korrekt eingesetzt werden. Ein Konzept, das festlegt, welche Informationen wo gepflegt werden, ist die Basis für konsistente Daten und reibungslose Integrationen. Erst dadurch wird NetBox zur tatsächlichen Source of Truth.