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2026

05

2026-04-28T12:00:00

Storage-Management

TESTS

014

Datenträgerverwaltung

Datenlöschung

Disk-Management

Parted Magic

Digitaler Aktenvernichter

von Dr. Christian Knermann

Veröffentlicht in Ausgabe 05/2026 - TESTS

Die Linux-Distribution Parted Magic bringt eine umfangreiche Sammlung von Tools für die Verwaltung von Datenträgern mit. Administratoren erhalten einen vielseitigen Werkzeugkasten, um insbesondere Unternehmensdaten auf modernen Speichermedien zuverlässig und nach aktuellen Standards zu löschen. Wir haben Parted Magic in der Praxis ausprobiert, wo es sich als durchaus flexibel erwiesen hat und viele Dateisysteme unterstützt.

Die Verwaltung moderner Datenträger über deren gesamten Lebenszyklus hinweg stellt eine der kritischsten Aufgaben für Administratoren dar. Während Partitionieren, Klonen und Retten von Daten operative Standardprozesse zur Aufrechterhaltung der Verfügbarkeit bilden, rückt am Ende der Nutzungsdauer das sichere Löschen in den Fokus, um eine unbefugte Datenrekonstruktion bei der Ausmusterung von Hardware zu verhindern. Integrität und Vertraulichkeit von Unternehmensdaten hängen unmittelbar von der Qualität der eingesetzten Werkzeuge und Prozesse ab.
Vor diesem Hintergrund positioniert sich Parted Magic des gleichnamigen Softwareanbieters als praxisorientierte Sammlung von Werkzeugen für die typischen Arbeiten an Datenträgern, vom Partitionieren über das Klonen bis zur forensischen Datenrettung und dem standardkonformen Löschen. Die auf dem Linux-Urgestein Slackware und der schlanken Desktopumgebung LXDE basierende Distribution startet ohne Installation als 64-Bit-Livesystem von USB, optischen Medien oder per PXE über das Netzwerk.
Parted Magic bringt eine breite Ausstattung an Tools für das Management von Datenträgern mit, darunter GParted, Clonezilla, TestDisk, PhotoRec, ddrescue, smartmontools sowie mit "Erase Disk" ein eigenes grafisches Frontend speziell zum Löschen verschiedener Medientypen. Als weniger spezialisierte Werkzeuge kümmern sich Browser, PDF-Reader, Bildbetrachter, Musikplayer, Programme für das Brennen und Rippen optischer Medien, der freie Virenscanner ClamAV sowie das Drucksystem CUPS um alltägliche Dinge.
Die Verwaltung moderner Datenträger über deren gesamten Lebenszyklus hinweg stellt eine der kritischsten Aufgaben für Administratoren dar. Während Partitionieren, Klonen und Retten von Daten operative Standardprozesse zur Aufrechterhaltung der Verfügbarkeit bilden, rückt am Ende der Nutzungsdauer das sichere Löschen in den Fokus, um eine unbefugte Datenrekonstruktion bei der Ausmusterung von Hardware zu verhindern. Integrität und Vertraulichkeit von Unternehmensdaten hängen unmittelbar von der Qualität der eingesetzten Werkzeuge und Prozesse ab.
Vor diesem Hintergrund positioniert sich Parted Magic des gleichnamigen Softwareanbieters als praxisorientierte Sammlung von Werkzeugen für die typischen Arbeiten an Datenträgern, vom Partitionieren über das Klonen bis zur forensischen Datenrettung und dem standardkonformen Löschen. Die auf dem Linux-Urgestein Slackware und der schlanken Desktopumgebung LXDE basierende Distribution startet ohne Installation als 64-Bit-Livesystem von USB, optischen Medien oder per PXE über das Netzwerk.
Parted Magic bringt eine breite Ausstattung an Tools für das Management von Datenträgern mit, darunter GParted, Clonezilla, TestDisk, PhotoRec, ddrescue, smartmontools sowie mit "Erase Disk" ein eigenes grafisches Frontend speziell zum Löschen verschiedener Medientypen. Als weniger spezialisierte Werkzeuge kümmern sich Browser, PDF-Reader, Bildbetrachter, Musikplayer, Programme für das Brennen und Rippen optischer Medien, der freie Virenscanner ClamAV sowie das Drucksystem CUPS um alltägliche Dinge.
Die Distribution besteht weitestgehend aus freier Software unter der GNU General Public License (GPL). Um eine maximale Hardwarekompatibilität zu gewährleisten, enthält Parted Magic aber auch unfreie Elemente, darunter proprietäre Treiber für Nvidia-Grafikkarten oder spezielle RAID-Controller. Darüber hinaus liegt der Mehrwert der Sammlung vor allem in eigens entwickelten Skripten und der grafischen Benutzeroberfläche für komplexe Aufgaben. So ist das Tool "Erase Disk" als Alleinstellungsmerkmal der Distribution eine angepasste Oberfläche, die mächtige Shell-Kommandos wie hdparm oder nvme-cli für Anwender grafisch bedient.
Parted Magic
Produkt
Linux-Distribution für die Verwaltung von Massenspeicher-Medien.
Hersteller
Parted Magic
Preis
- Einzelne Version einmalig 14,53 Euro (keine Subskription, keine Updates);
- Subskription 12,82 Euro pro Quartal oder 50,41 Euro pro Jahr;
- Parted Magic Forever (unlimitierte Subskription) einmalig 170,03 Euro.
Systemanforderungen
Hardware / Massenspeicher: x86_64-Prozessor mit 8 GByte Hauptspeicher; UEFI oder Legacy-BIOS; HDDs (SATA, IED und SCSI), SSDs, NVMe, Flashspeicher und USB-Laufwerke mit Sektorgrößen von 512, 1024, 2048 oder 4096.
Unterstützte Dateisysteme: ext2, ext3, ext4, fat16, fat32, ntfs, reiserfs, btrfs, exFAT, hfs, hfs+, f2fs, jfs, Linux swap, lvm2 pv, nilfs, reiser4, ufs, xfs, zfs.
Technische Daten
Einmaliger Kauf oder Abonnement
Der Entwickler Patrick Verner stellte Parted Magic bereits im Jahr 2013 von einem vormals spendenbasierten auf ein kommerzielles Modell um. Er begründete diesen Schritt schlichtweg mit wirtschaftlicher Überlebensfähigkeit. Die Pflege einer Distribution, die auf tausenden Hardwarekombinationen stabil booten muss, verlangt einen enormen Aufwand, den er durch freiwillige Spenden nicht mehr decken konnte. Die GPL erlaubt explizit, eine Gebühr für physische Kopien oder den Download einer Software zu verlangen. Die kostenpflichtigen Downloads der Distribution beziehen sich somit nicht auf die Urheber- oder Nutzungsrechte an den Basistools wie dem Linux-Kernel oder GParted, sondern auf die Dienstleistung der Kuration, Integration und Qualitätssicherung von Parted Magic.
Es handelt sich hierbei folglich nicht um einen Widerspruch zum Open-Source-Gedanken, sondern um eine kommerzielle Strategie zur Sicherung der Weiterentwicklung des Projekts. Kunden haben die Wahl zwischen einem einmaligen Obulus, der den Download der gerade aktuellen Version erlaubt, oder einer pro Quartal oder Jahr berechneten Subscription, die auch künftige Versionen sowie den Zugang zum Supportforum von Parted Magic einschließt. Zu guter Letzt ermöglicht das Paket "Parted Magic Forever" gegen eine einmalige Zahlung den dauerhaften Zugang zu beidem.
Booten auf verschiedenen Wegen
Nach dem Download des ISO-Images führt die Onlinedokumentation auf mehreren Wegen zu einem lauffähigen System. Das Brennen einer Live-CD mit den Tools Nero oder InfraRecorder dürfte eher historischen Wert haben, nachdem kaum mehr ein Endgerät über ein optisches Laufwerk verfügt. Relevanter für die Praxis erscheint es, das ISO-Image auf ein bootfähiges USB-Medium zu schreiben. Hierzu empfiehlt Parted Magic unter Windows das Tool Rufus, unter macOS das Werkzeug balena Etcher oder UNetbootin unter Linux. Alternativ beschreibt die Dokumentation eine sparsame Installation auf einem lokalen Datenträger in Koexistenz mit einem anderweitigen Linux sowie Dual-Boot per Grand Unified Bootloader (GRUB) oder zu guter Letzt die Bereitstellung von Parted Magic im Netzwerk mit Start per Preboot Execution Environment (PXE).
Letzteres gelingt auf zwei Wegen. Der Bootloader lädt entweder das komplette System über das Netzwerk aus im PXE-Paket enthaltenen RAM-Disks in den Hauptspeicher des Clients oder initial nur den Linux-Kernel und eine Basis-RAM-Disk. Die weiteren Bestandteile und zusätzlichen Module lädt der laufende Linux-Kernel dann anschließend von einem TFTP-, HTTP- oder FTP-Server oder aus einer NFS-Freigabe.
Für Fortgeschrittene erlaubt Parted Magic zudem das Nachrüsten zusätzlicher Software aus per SquashFS komprimierten Bundles oder in Form von Slackware-kompatiblen Paketen (.txz/.tgz). Beim Booten installiert Parted Magic automatisch alle Bundles und Pakete, die es im Verzeichnis "/pmagic/pmodules" findet. Beim Start per USB-Stick genügt daher das einfache Kopieren der Dateien in dieses Verzeichnis. Zur einmaligen Nutzung können Admins Bundles auch temporär hinzuladen oder Pakete zur Laufzeit installieren.
Startet Parted Magic von einem optischen Medium oder via PXE, müssen Admins das ISO-Image modifizieren, um Bundles oder Pakete zu integrieren. Da ein Bundle letztlich ein entpacktes Dateisystem repräsentiert, können Nutzer ein solches leicht selbst erstellen, indem sie die gewünschte Verzeichnisstruktur aufbauen, Dateien hineinkopieren und anschließend in eine SquashFS-Datei (.sqfm) verpacken. Im Rahmen unseres Tests beließen wir es aber beim ab Werk gebotenen Funktionsumfang und starteten das System von einem USB-Stick, den wir zuvor mit Rufus präpariert hatten. Der funktionierte komplikationslos sowohl an Clients mit UEFI als auch an älteren Systemen mit klassischem BIOS.
Mit UEFI oder Legacy-BIOS
Im Bootmenü, das sich für Systeme mit modernem UEFI oder klassischem BIOS nur geringfügig unterscheidet, bietet Parted Magic Einträge für Sonderfälle, etwa den Betrieb an einem 4K-Monitor, einen Start ohne offiziellen NVIDIA-Treiber oder einen Workaround, falls der Bildschirm dunkel bleiben sollte. Wir entschieden uns für den Standard "Default settings – runs from RAM 4GB+", der komplikationslos funktionierte. Die Alternative "Default settings + language menu" stiftete nur geringen Mehrwert.
Danach waren lediglich Teile der Benutzeroberfläche auf Deutsch verfügbar, die Dialoge der relevanten Werkzeuge zeigte Parted Magic weiterhin auf Englisch an. Zudem mussten wir nach dem Start in jedem Fall manuell das Tastaturlayout von Englisch auf Deutsch ändern. Das gelingt schnell direkt über das Icon "Keyboard Layout" auf dem Desktop und auch ohne Lokalisierung gibt die Oberfläche keine Rätsel auf.
Im Dock zuunterst auf dem Desktop fanden wir Verknüpfungen zum Terminal, Dateimanager, Webbrowser Firefox, der Suche und "Parted Magic Mount", einer einfachen grafischen Oberfläche zum Einbinden von Partitionen. Darüber hinaus erreichten wir die zentralen Tools über ihre Verknüpfungen direkt auf dem Desktop. "Disk Health" öffnet das Werkzeug GSmartControl, das im Detail die SMART-Daten der erkannten Laufwerke ausliest. "Disk Cloning" startet die text-basierte Oberfläche von CloneZilla und hinter dem "Partition Editor" verbirgt sich das Tool GParted als mächtigere Alternative zum Mount-Werkzeug von Parted Magic (Bild 1).
Bild 1: GParted erlaubt über sein GUI das Bearbeiten von Partitionen mit zahlreichen Dateisystemen.
Breite Unterstützung für Dateisysteme
Auch mithilfe von GParted konnten wir Partitionen einhängen. GParted erkennt Datenträger, zeigt Partitionstabellen (GPT/MBR) sowie Dateisysteme und erlaubt Operationen wie Verkleinern, Verschieben, Prüfen und Labeling. Welche Aktionen für welche Dateisysteme funktionieren, listet die Webseite von Parted Magic im Detail auf. Die breiteste Unterstützung bietet das System für ext2, ext3, ext4, fat16, fat32, ntfs, und reiserfs. Zu beachten ist allerdings, dass GParted über das GUI keine verschlüsselten Partitionen einhängen kann.
Für verschlüsselte Volumes stehen im Startmenü unter "Accessories" ein grafischer Client für VeraCrypt und das Werkzeug zuluCrypt zum Öffnen von Container- und Festplattenverschlüsselungen bereit. Als universelles Werkzeug kann auch zuluCrypt grundsätzlich VeraCrypt entschlüsseln. Darüber hinaus versteht sich zuluCrypt auf Linux Unified Key Setup (LUKS) und dank Integration mit dem Shell-Kommando Dislocker auch auf BitLocker. So konnten wir nach Eingabe unseres Wiederherstellungsschlüssels ohne Probleme auch die Systempartition eines per BitLocker gesicherten Windows-Clients öffnen.
Alternativ erfordert die direkte Interaktion mit Dislocker einen Ausflug auf die Shell. Das gilt ebenso für das in der Onlinedokumentation beschriebene Vorgehen zum Rücksetzen des Administratorpassworts einer Windows-Installation, das wir komplikationslos nachvollziehen konnten. Bei Bedarf aktiviert das Shell-Kommando chntpw  das eingebaute Administratorkonto von Windows und entfernt auch dessen Passwort.
Beim Identifizieren zu rettender Daten helfen weitere Werkzeuge aus dem gut bestückten Startmenü, darunter ein GUI für ddrescue, FreeFileSync, Xarchiver, dupeGuru zum Finden von Duplikaten, FileZilla, Betrachter für Multimedia-Formate sowie XpdfReader und LibreOffice.
Passende Löschmethoden für jedes Medium
Im Fokus unseres Interesses stand aber vor allem das sichere Löschen von Datenträgern und damit die Desktopverknüpfung, die mit dem "Parted Magic Disk Eraser Menu" das Herzstück der Distribution startet. Dieses Werkzeug bietet verschiedene Modi für unterschiedliche Medientypen und Hardwareszenarien. So fanden wir auf der Registerkarte "Secure Erase" für SATA-Geräte die Optionen "Secure Erase – ATA Devices" sowie "Sanitize – ATA Devices". Beide nutzen die internen Befehlssätze der Controller von SATA-HDDs und SSDs, um alle Speicherbereiche inklusive Reservebereiche zu löschen. Sie erreichen so den gesamten Nutzeradressraum einschließlich Remapping. Die Sanitize-Methode funktioniert allerdings nur mit moderneren Laufwerken und erreicht gegenüber dem Standard-Secure-Erase oft eine noch gründlichere Bereinigung von Pufferspeichern.
Speziell für moderne M.2-Speicher hat Parted Magic den Modus "NVMe Secure Erase – NVM Express M.2" an Bord, der die spezifischen Protokolle der NVMe-Spezifikation für eine effiziente Löschung nutzt. Der Vorgang dauert üblicherweise nur Sekunden, weil die Controller die Zuordnungstabellen und Flashblöcke intern in einem Schritt überschreiben. Die Onlinedokumentation beschreibt das Vorgehen bis zur Bestätigung und weist darauf hin, dass ein erfolgreiches Löschen den jeweiligen Datenträger sofort unbrauchbar für eine Wiederherstellung macht.
Sollte ein Laufwerk aufgrund aktivierter Geräteverschlüsselung auf Hardwareebene (Self-Encrypting Device, SED) nicht direkt per Secure-Erase ansprechbar sein, hilft die Option "PSID Unlocker – Remove Disk Encryption". Die ermöglicht es, auch nach der OPAL-Spezifikation verschlüsselte Laufwerke zurückzusetzen, wenn das Passwort verloren ging, erfordert dazu allerdings die Eingabe der Physical Security ID (PSID) direkt vom Gehäuseaufkleber des Laufwerks. Der Vorgang führt zu einer sofortigen kryptographischen Löschung aller Daten und macht das Laufwerk wieder nutzbar.
Bild 2: Das Tool "Secure Erase" stellt passende Löschmethoden für HDD-, SSD-, NVMe- und auch PSID-Laufwerke bereit.
Mehrfache Sicherheitsabfragen
Mit Clients aus unserem Testparcour haben wir exemplarisch das klassische Secure-Erase sowie das Verfahren für NVMe ausprobiert. Eine Fehlbedienung ist dabei kaum möglich, da Parted Magic nur jeweils die zum Ziel passende Methode ausführt. Unterstützt ein Datenträger den gewählten Befehl nicht, weist eine Meldung ausdrücklich darauf hin.
Beim Secure-Erase zeigt Parted Magic viele SATA- und NVMe-Laufwerke zunächst im Zustand "Frozen" an, so auch in unserem Fall. Es handelt sich dabei um einen Sicherheitsmechanismus moderner Firmware, der bestimmte ATA-Befehle unmittelbar nach dem Systemstart blockiert. Das Erase-Tool von Parted Magic hilft dabei, diesen Zustand aufzuheben. Mit einem Klick auf die Schaltfläche "Sleep" versetzt Parted Magic das System kurz in den Ruhezustand und weckt es danach wieder auf. Sollte die reguläre Sleep-Schaltfläche nicht zum Erfolg führen, bringt Parted Magic zusätzlich noch einen Workaround mit, um den Vorgang dennoch zuverlässig durchführen zu können. Diesen benötigten wir jedoch nicht.
Bildlich gesprochen taute das Laufwerk damit auf, sodass der Status des Datenträgers von "Frozen" auf "Not Frozen" wechselte und wir die Secure-Erase-Methode verwenden konnten. Dabei durften wir optional auch eine E-Mail-Adresse angeben, um einen Bericht über den Vorgang zu erhalten. Es folgte ein weiterer Dialog mit einer Zusammenfassung des bevorstehenden Löschvorgangs, in dem wir noch einmal explizit die Option "I allow this utility to erase the listed device(s)." aktivieren und dann die Schaltfläche "Start Erase" betätigen mussten. Somit verhindert Parted Magic effektiv ein versehentliches Löschen. Dies trifft gleichermaßen auf die separate Methode für NVMe zu (Bild 2).
Überschreiben für klassische HDDs
Sollten hardwarenahe Befehle nicht funktionieren oder eine zusätzliche Absicherung durch softwarebasiertes Überschreiben gewünscht sein, hat Parted Magic über die firmwarespezifischen Verfahren hinaus auf der Registerkarte "Block Wiping" gleich mehrere zusätzliche Varianten im Gepäck. "Erase MBR" löscht lediglich MBR- und GPT-Datenstrukturen. "Free Space" arbeitet nicht destruktiv und überschreibt nur freien Speicher. "Disk…", "Part…" und "Shred…" überschreiben Festplatten oder Laufwerke nach unterschiedlichen Methoden mit Nullen. Das mächtigste Werkzeug in diesem Bereich ist aber nwipe, ein Fork des Kommandos dwipe aus dem Umfang von "Darik's Boot and Nuke (DBAN)", einer älteren Linux-Distribution, deren Zweck das unwiderrufliche Löschen von Speichermedien ist.
Die textbasierte Oberfläche unterstützt diverse Methoden, um einen Datenträger in ein oder mehreren Läufen blockweise mit Nullen, Einsen, Zufallswerten oder einer Kombination davon zu überschreiben. Im Arsenal findet sich neben Verfahren nach Standards des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums und der kanadischen Polizei die flexible Methode "PRNG Stream". Die bietet wiederum eine Auswahl von fünf verschiedenen Generatoren für Pseudozufallsdaten, die unterschiedliche Anforderungen an Geschwindigkeit und statistische Qualität erfüllen.
Der "Mersenne Twister (mt19937ar-cok)" gilt dabei als bewährter Standard für allgemeine Zwecke. Für sicherheitskritische Anwendungen stehen mit "ISAAC" und "ISAAC-64" Generatoren bereit, die auf Unvorhersehbarkeit und Robustheit gegenüber kryptographischen Anwendungen optimiert sind. Ergänzt wird dieses Portfolio durch den "Lagged Fibonacci generator", den die Dokumentation aber als weniger geeignet für kryptografische Anwendungen ausweist, sowie die standardmäßig aktive Methode "XORoshiro-256". Die bietet eine Balance zwischen hoher Durchsatzrate und statistischer Verteilung und eignet sich damit für das Löschen großer Medien.
Wir beließen es beim Standard und entsprechend der Empfehlung vom NIST bei nur einem Lauf. Bei großen Medien mit einer Kapazität von mehreren Hundert GBytes oder gar einem TByte oder mehr dauerte das Überschreiben allerdings auch mit nur einem Durchgang viele Stunden bis hin zu Tagen. Entsprechend erwiesen sich die nativen Befehle als erste Wahl, sofern das jeweilige Medium sie unterstützt. Unabhängig von der gewählten Methode generiert Parted Magic nach dem Löschen einen Bericht in Form von Text- und CSV-Dateien, die die Dokumentation der ausgeführten Aktionen im Hinblick auf die Konformität mit Löschregeln und etwaige Audits erleichtern.
Fazit
Parted Magic ergänzt den Werkzeugkasten für Administratoren um ein nützliches wie vielseitiges Tool, das Datenträger unabhängig vom installierten Betriebssystem verwaltet, Images zieht, Daten rettet, aber vor allem auch passend zum jeweiligen Medium sowie internen oder externen Regeln löscht. Unternehmen können damit Aktionen, wie SATA-/ NVMe-Secure-Erase, PSID Unlock und herkömmliches Überschreiben mitsamt Dokumentation abbilden.
Durch die Kombination von hardwarenahen Löschmethoden und flexibel konfigurierbaren Software-Wiping-Tools ermöglicht Parted Magic eine Umsetzung von Datenschutzvorgaben, die sowohl den strikten Anforderungen des BSI als auch den internationalen NIST-Standards vollumfänglich gerecht wird. Wer die Medientypen korrekt identifiziert, die passende Löschmethode auswählt, Ergebnisse dokumentiert und Nachweise führt, kann Datenträger rechtssicher dem nächsten Schritt in ihrem Lebenszyklus zuführen – sei es Wiederverwendung, Rückgabe oder Entsorgung.
(dr)
So urteilt IT-Administrator
Unterstützte Dateisysteme
8
Integration verschlüsselter Medien
7
Tools für Datenrettung
6
Secure-Erase-Methoden
8
Integration von nwipe
7
Die Details unserer Testmethodik finden Sie unter https://www.it-administrator.de/testmethodik