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2026

06

2026-05-28T12:00:00

Migration und Transformation

RUBRIKEN

096

Bücher

Buchbesprechung Juni

"Data Science mit Big Data" und "Situation und Konstellation"

Veröffentlicht in Ausgabe 06/2026 - RUBRIKEN

Big Data ist längst kein Hype-Thema mehr, sondern die operative Grundlage datengetriebener Unternehmen. Vier deutsche Hochschulexperten – Oliver Hummel, Marcus Kessel, Beate Navarro und Robert Butscher – haben nun ein voluminöses Werk dazu vorgelegt, das vom 3V-Klassiker über NoSQL-Datenbanktypen, Kafka, Apache Spark und Flink bis zu Data Lakehouse, Data Mesh und skalierbaren Algorithmen reicht. Besonders aktuell ist das Kapitel zu KI-basierten Systemen, das neben LLMs und RAG auch das Model Context Protocol abdeckt – ein Thema, das 2024 erst seinen Status als Standard erreichte. Ergänzt wird der Text durch ein GitHub-Repository mit Codebeispielen, das den explizit formulierten Anspruch unterstreicht, nicht nur zu erklären, sondern zum Experimentieren einzuladen.
Schon das erste Kapitel zeigt, was das Buch konzeptionell leisten will: Die gängige Öl-Metapher für Daten wird nicht einfach übernommen, sondern differenziert auseinandergenommen – mit Blick auf Nicht-Rivalität, Wertkontext-Abhängigkeit und ökologische Parallelen. Dieser argumentative Gestus zieht sich durch den Aufbau, der akademischen Anspruch mit Praxisnähe verbindet. Die Autoren selbst räumen im Vorwort offen ein, dass die Tiefe angesichts der Breite nicht immer gleich ausfallen konnte – kein Wunder bei einem Themenfeld, für das einzelne Frameworks eigene Bücher füllen. Primäre Zielgruppe sind Studierende ab dem vierten Semester sowie Praktiker, die sich einen soliden technischen Überblick verschaffen wollen; wer operative Tiefe zu einzelnen Frameworks sucht, wird das Buch eher als Einstieg und Orientierung nutzen denn als vollständige Referenz.
Fazit
Das Buch ist als akademisches Lehrwerk konzipiert: strukturiert, mit Quellenapparat und breiter thematischer Abdeckung. Dass die Autoren den Bogen bis zum Model Context Protocol schlagen, zeigt Gespür für den Moment. Wer Big Data als Gesamtlandschaft verstehen und einordnen will, findet hier einen verlässlichen, gut durchdachten Startpunkt.
Big Data ist längst kein Hype-Thema mehr, sondern die operative Grundlage datengetriebener Unternehmen. Vier deutsche Hochschulexperten – Oliver Hummel, Marcus Kessel, Beate Navarro und Robert Butscher – haben nun ein voluminöses Werk dazu vorgelegt, das vom 3V-Klassiker über NoSQL-Datenbanktypen, Kafka, Apache Spark und Flink bis zu Data Lakehouse, Data Mesh und skalierbaren Algorithmen reicht. Besonders aktuell ist das Kapitel zu KI-basierten Systemen, das neben LLMs und RAG auch das Model Context Protocol abdeckt – ein Thema, das 2024 erst seinen Status als Standard erreichte. Ergänzt wird der Text durch ein GitHub-Repository mit Codebeispielen, das den explizit formulierten Anspruch unterstreicht, nicht nur zu erklären, sondern zum Experimentieren einzuladen.
Schon das erste Kapitel zeigt, was das Buch konzeptionell leisten will: Die gängige Öl-Metapher für Daten wird nicht einfach übernommen, sondern differenziert auseinandergenommen – mit Blick auf Nicht-Rivalität, Wertkontext-Abhängigkeit und ökologische Parallelen. Dieser argumentative Gestus zieht sich durch den Aufbau, der akademischen Anspruch mit Praxisnähe verbindet. Die Autoren selbst räumen im Vorwort offen ein, dass die Tiefe angesichts der Breite nicht immer gleich ausfallen konnte – kein Wunder bei einem Themenfeld, für das einzelne Frameworks eigene Bücher füllen. Primäre Zielgruppe sind Studierende ab dem vierten Semester sowie Praktiker, die sich einen soliden technischen Überblick verschaffen wollen; wer operative Tiefe zu einzelnen Frameworks sucht, wird das Buch eher als Einstieg und Orientierung nutzen denn als vollständige Referenz.
Fazit
Das Buch ist als akademisches Lehrwerk konzipiert: strukturiert, mit Quellenapparat und breiter thematischer Abdeckung. Dass die Autoren den Bogen bis zum Model Context Protocol schlagen, zeigt Gespür für den Moment. Wer Big Data als Gesamtlandschaft verstehen und einordnen will, findet hier einen verlässlichen, gut durchdachten Startpunkt.
Daniel Richey
Titel
Data Science mit Big Data
Autoren
Oliver Hummel, Marcus Kessel, Beate Navarro und Robert Butscher
Verlag
Carl Hanser
Seiten
783
Preis
49,90 Euro
ISBN
978-3446476400
Hartmut Rosa legt mit "Situation und Konstellation" einen dichten, zugleich gut lesbaren sozialwissenschaftlichen Essay vor, der eine zentrale Verschiebung moderner Gesellschaften beschreibt: Wir neigen dazu, die Welt in "Konstellationen" zu überführen – also in klar strukturierte, entscheidbare Anordnungen. Das hat Vorteile: Verfahren werden vergleichbar, Entscheidungen nachvollziehbar, Willkür lässt sich begrenzen. Doch der Preis ist hoch: Wo Handeln auf das Abarbeiten vorgegebener Optionen schrumpft, bleibt dem Menschen oft nur noch der Vollzug ohne jeglichen Spielraum.
Dem stellt der Soziologe die "Situation" gegenüber: Offene, nicht vollständig vorstrukturierte Zusammenhänge, in denen Menschen tatsächlich handeln, abwägen und sich als wirksam erleben. Zufriedenheit entsteht für ihn nicht im reibungslosen Funktionieren, sondern dort, wo Handeln mehr ist als regelkonformer Ablauf.
Besonders interessant ist diese Diagnose im Kontext moderner IT: Denn digitale Systeme – ob regelbasiert oder KI-gestützt – übersetzen Welt in entscheidbare, letztlich binäre Konstellationen. Zwar arbeiten aktuelle KI-Modelle nicht mehr strikt deterministisch, sondern mit Wahrscheinlichkeiten und erzeugen scheinbar kontextsensible Antworten. Doch dieser Eindruck täuscht: Auch sie vollziehen lediglich – wenn auch auf höherem Niveau. Sie simulieren situatives Abwägen, ohne selbst zu handeln. Was dabei verloren geht, ist genau das, worauf Rosa zielt: ein nicht vollständig berechenbares, erfahrungsbasiertes Handeln im Kontext menschlicher Emotionen.
Fazit
Rosa plädiert für einen Perspektivwechsel: Wenn wir die Konstellationsspirale durchbrechen wollen, braucht es mehr Vertrauen – nicht in Systeme, sondern in Menschen. "Vertrauen in die erfahrungsbasierte Urteilskraft des jeweils anderen" müsse wieder zum Grundmodus werden. Wer hingegen aus Angst vor Fehlern stets versucht, komplexe Zusammenhänge in binäre Konstellationen zu pressen, verstärkt genau jene Strukturen, die menschliches Handeln zunehmend verdrängen – und damit ein gutes, gelingendes Leben erschweren oder sogar unmöglich machen.
Lars Nitsch
Titel
Situation und Konstellation
Autor
Hartmut Rosa
Verlag
Suhrkamp
Seiten
247
Preis
25,00 Euro
ISBN
978-3518588338