Unternehmen und deren IT-Verantwortliche suchen derzeit verstärkt nach cloudbasierten Team-Arbeitsplätzen ohne die Kontrolle und den Einblick von US-Anbietern. Mit Open-Source-Plattformen wie NextCloud mit OnlyOffice oder OnlyOffice DocSpace entstehen selbstgehostete Kollaborationsumgebungen auf eigenen Cloudservern, die weder Features noch Komfort vermissen lassen.
Für eine Office-Infrastruktur in der Cloud reicht als Client ein Browser aus, sodass Betriebssysteme hier keine Rolle mehr spielen. Ein stundenlanges Installieren großer Pakete oder Wine-Umwege, um unter Linux arbeiten zu können, entfallen. Zudem muss das Endgerät nicht einmal der eigene PC oder das eigene Notebook sein. Auch ein Smartphone oder Tablet genügen zumeist – vielleicht nicht, um eine große Präsentation aus dem Nichts zu erstellen, aber zum Prüfen oder Korrekturlesen reicht ein Mobiltelefon-Display allemal. Zudem ermöglicht ein Cloud-Office die Kollaboration mit mehreren Benutzern. Gerade in Zeiten, in denen viele Mitarbeiter aus dem Homeoffice heraus arbeiten, ist diese Funktion unverzichtbar. Es ist daher nachvollziehbar, dass Plattformen wie Microsoft 365 oder Google Workspace sowohl bei großen als auch kleinen Unternehmen in den vergangenen Jahren stark nachgefragt waren.
Risiken bei Datenkontrolle und digitaler Souveränität
Allerdings gibt es auch Schattenseiten. Wer seine Daten in eine Cloud legt, überträgt damit die Verantwortung in die Hände anderer. Das ist einerseits gewollt: Vielen IT-Verantwortlichen geht es da-rum, nicht mehr selbst für die Plattform und die Sicherheit der Daten verantwortlich zu sein, sondern diese Verantwortung gegen eine monatliche Gebühr an einen professionellen Dienstleister abzutreten. Damit verlieren die IT-Teams aber auch die Kontrolle über ihre eigenen Informationen und räumen den Cloudbetreibern in beschränkter Form Zugang zu den eigenen Daten ein. Erschwerend kommt hinzu, dass US-Cloudanbieter dem US Cloud Act unterliegen. Sie müssen auf Anfrage von US-Behörden wie dem FBI oder der NSA Zugriff auf Kundendaten einräumen, selbst wenn diese auf Systemen außerhalb der USA liegen. Die Betroffenen erhalten darüber keine Informationen.
Die Willkür der aktuellen US-Regierung schwächt zudem das Vertrauen europäischer Anwender. Per Executive Order ließ Präsident Trump im Mai 2025 den Office-365-Mailzugang von Karim Khan, dem Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH), sperren – Microsoft musste der Anordnung folgen. Seitdem verabschieden sich Länder, Behörden und Anwender zunehmend von diesen US-Cloud-Office-Paketen – sie sind zum Beispiel nunmehr in Behörden der Schweiz und Dänemarks verboten. Österreich und Frankreich haben bereits ein ähnliches Verbot für sicherheitsrelevante Regierungsabteilungen erlassen und weiten die Einschränkungen schrittweise aus. Auch mehrere deutsche Bundesländer planen den Ausstieg. Der größte IT-Trend lautet daher aktuell "Digitale Souveränität": der Wunsch der Anwender, nach dem großen Cloudtrend wieder die Kontrolle über die eigene Infrastruktur und die Daten zu erhalten.
In Kürze
- Der Wunsch nach Datenkontrolle und die Risiken des US Cloud Acts treiben den Wechsel von Microsoft 365 oder Google Workspace zu selbst gehosteten Infrastrukturen an.
- OnlyOffice als Alternative: Die Open-Source-Suite bietet hohe Formatkompatibilität zu Microsoft Office und punktet durch eine flexible Integration von lokalen KI-Modellen.
- Nextcloud dient als vielseitige Plattform mit vielen Plug-ins, während OnlyOffice DocSpace als spezialisierte, aber ressourcenintensive Dokumentenverwaltung überzeugt.
- Beide Werkzeuge erfordern in der Praxis gut geplante, containerisierte Setups via Podman oder Kubernetes, um fehleranfällige Webserver-Infrastrukturen auf einzelnen virtuellen Maschinen zu vermeiden.
Für eine Office-Infrastruktur in der Cloud reicht als Client ein Browser aus, sodass Betriebssysteme hier keine Rolle mehr spielen. Ein stundenlanges Installieren großer Pakete oder Wine-Umwege, um unter Linux arbeiten zu können, entfallen. Zudem muss das Endgerät nicht einmal der eigene PC oder das eigene Notebook sein. Auch ein Smartphone oder Tablet genügen zumeist – vielleicht nicht, um eine große Präsentation aus dem Nichts zu erstellen, aber zum Prüfen oder Korrekturlesen reicht ein Mobiltelefon-Display allemal. Zudem ermöglicht ein Cloud-Office die Kollaboration mit mehreren Benutzern. Gerade in Zeiten, in denen viele Mitarbeiter aus dem Homeoffice heraus arbeiten, ist diese Funktion unverzichtbar. Es ist daher nachvollziehbar, dass Plattformen wie Microsoft 365 oder Google Workspace sowohl bei großen als auch kleinen Unternehmen in den vergangenen Jahren stark nachgefragt waren.
Risiken bei Datenkontrolle und digitaler Souveränität
Allerdings gibt es auch Schattenseiten. Wer seine Daten in eine Cloud legt, überträgt damit die Verantwortung in die Hände anderer. Das ist einerseits gewollt: Vielen IT-Verantwortlichen geht es da-rum, nicht mehr selbst für die Plattform und die Sicherheit der Daten verantwortlich zu sein, sondern diese Verantwortung gegen eine monatliche Gebühr an einen professionellen Dienstleister abzutreten. Damit verlieren die IT-Teams aber auch die Kontrolle über ihre eigenen Informationen und räumen den Cloudbetreibern in beschränkter Form Zugang zu den eigenen Daten ein. Erschwerend kommt hinzu, dass US-Cloudanbieter dem US Cloud Act unterliegen. Sie müssen auf Anfrage von US-Behörden wie dem FBI oder der NSA Zugriff auf Kundendaten einräumen, selbst wenn diese auf Systemen außerhalb der USA liegen. Die Betroffenen erhalten darüber keine Informationen.
Die Willkür der aktuellen US-Regierung schwächt zudem das Vertrauen europäischer Anwender. Per Executive Order ließ Präsident Trump im Mai 2025 den Office-365-Mailzugang von Karim Khan, dem Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH), sperren – Microsoft musste der Anordnung folgen. Seitdem verabschieden sich Länder, Behörden und Anwender zunehmend von diesen US-Cloud-Office-Paketen – sie sind zum Beispiel nunmehr in Behörden der Schweiz und Dänemarks verboten. Österreich und Frankreich haben bereits ein ähnliches Verbot für sicherheitsrelevante Regierungsabteilungen erlassen und weiten die Einschränkungen schrittweise aus. Auch mehrere deutsche Bundesländer planen den Ausstieg. Der größte IT-Trend lautet daher aktuell "Digitale Souveränität": der Wunsch der Anwender, nach dem großen Cloudtrend wieder die Kontrolle über die eigene Infrastruktur und die Daten zu erhalten.
Freie Alternativen stehen bereit
Wenn Admins sich entschlossen haben, Microsoft, Google und Co. den Rücken zu kehren, stellt sich die Frage nach Alternativen. Die Suche nach anderen Werkzeugen ist einfach, solange es um klassische Arbeitsplatz-Anwendungen geht. LibreOffice gilt als Konkurrent von Microsoft Office. Der aktuelle Fork entstand 2010 als Reaktion auf die Übernahme von Sun Microsystems durch Oracle. Zwar existiert OpenOffice ebenfalls noch, da Oracle es 2012 an die Apache Foundation übergeben hatte, aber der Großteil der Entwicklung läuft heute auf dem Libre-Fork. Zu LibreOffice gibt es zwei Cloudvarianten (LibreOffice Online und Collabora Online), die sich in Plattformen wie Nextcloud oder Owncloud integrieren lassen. Diese Kombination sollte sich ursprünglich gegen Microsoft und Google positionieren. Allerdings stockt die Entwicklung bei Collabora und Nextcloud Online pausierte die letzten vier Jahre und nahm erst im Februar 2026 wieder seinen Dienst auf.
Als wichtigste Alternative bietet sich Only- Office an. Diese Open-Source-Suite ist seit 2009 auf dem Markt und unterstützt mit den "OnlyOffice Editors" alle gängigen Betriebssysteme von Windows über macOS und Linux bis hin zu iOS und Android. OnlyOffice arbeitet formatkompatibel zu den Microsoft-Pendants und liefert darüber hinaus praktische Zusatzfunktionen. Anwender können beispielsweise eine KI in den Editor einfügen und sind dabei nicht auf einen bestimmten Service angewiesen. Auch ein lokal via Ollama oder LM-Studio laufendes LLM kann OnlyOffice integrieren. Plug-ins erweitern den Funktionsumfang. Es gibt einen großen, überwiegend kostenfreien Marketplace für solche Erweiterungen mit beispielsweise einem WordPress-Plug-in, das aus dem Editor direkt in einen Blog schreibt oder das Tesseract-OCR-Plug-in, das Text auf Bildern erkennt und in das aktuelle Dokument einfügt.
Bild 1: Arbeiten mehrere Anwender simultan in einem OnlyOffice-Dokument, sehen sie die Änderungen anderer in Echtzeit. Über den integrierten Chat stimmen sich die Nutzer ab oder hinterlassen Kommentare zu Textpassagen.
Ein kleines, aber praktisches Feature ist, dass die OnlyOffice-Textverarbeitung Dokumente direkt im EPUB-Format sichern kann, was mit den meisten E-Book-Readern oder einem reMarkable-Tablet kompatibel ist. Zudem sind die Editoren kompakt und arbeiten performant. Neben den Editoren als lokal laufende Office-Programme bietet OnlyOffice weitere Cloudserver wie "DocSpace" und "Docs", die zwar namentlich ähnlich klingen, sich aber funktionell stark voneinander unterscheiden.
Open Source bleibt sanktionsfrei
OnlyOffice hat aktuell ein geografisches Problem: Sein Hersteller "Ascensio System SIA" stammt ursprünglich aus Russland, hat den Firmensitz aber mittlerweile nach Riga in Lettland verlegt. Da das Unternehmen dennoch überwiegend in russischer Hand ist, unterliegt es den EU-Sanktionen gegen Russland. Das mag bei den kommerziellen Angeboten des Herstellers der Fall sein, nicht aber beim Open-Source-Code der Community-Edition unter GNU-AGPL-Lizenz. Aus technischer Sicht spielt es keine Rolle, wo die Entwickler sitzen. Solange IT-Profis den vollständigen Code im Klartext einsehen können, besteht kein Grund zur Sorge vor Spionage-Plug-ins.
Nextcloud und Ionos haben zusammen eine Initiative namens "EuroOffice" als Fork von OnlyOffice gegründet. Die beiden Unternehmen begründen diesen Schritt mit dem Wunsch, mehr Kontrolle über das Projekt zu erlangen und dabei Entwickler außerhalb von Russland einzubinden. Die Anbieter kopieren dabei nicht den gesamten OnlyOffice-Code, sondern nur Teile wie den Document-Server. Ob der Fork Erfolg hat, muss sich noch zeigen. Zum Zeitpunkt des Workshops gab es lediglich eine Testversion von EuroOffice, die – mit Ausnahme des Logos – identisch zu OnlyOffice aussieht. Das Team von Ionos und Nextcloud hat etwa halb so viele aktive Entwickler, die an dem Projekt arbeiten, nutzen aber auch nur einen Bruchteil des kompletten Codes.
OnlyOffice-Document-Servers schnell eingespielt
Der OnlyOffice-Document-Server betreibt die Office-Suite auf einem Webserver, sodass Anwender sie über den Browser nutzen können. Die Installation des Document-Servers erfolgt auf Linux mit RPM- oder DEB-Paketen oder in Containern via Docker. Podman wird offiziell zwar nicht genannt, funktioniert in unseren Tests aber trotzdem. Für simple Umgebungen genügt tatsächlich ein einzelner All-in-One-Container.
Für das erste Setup folgen wir der Com-munity-Anleitung, um den Document-Server via RPM in einer virtuellen Maschine mit EL 9 aufzusetzen. Die Installation geht einfach von der Hand, denn viel mehr als Nginx, das EPEL-Repository, ein paar Nginx-Konfigurationsdateien und das eigentliche RPM des Document-Servers benötigen Sie nicht. Nach der Installation erhält der Anwender erst einmal nur Zugriff auf eine Website, die Informationen zu OnlyOffice enthält, aber noch keinen Zugang zu den eigentlichen Services bietet. Erst wenn der Nutzer einen zusätzlichen Dienst für eine Demoumgebung startet, kann er direkt im Webbrowser Dokumente anlegen und bearbeiten. Jedoch gibt es kein Multi-User-Interface oder eine Authentisierung.
Der Document-Server stellt lediglich die Office-Applikationen via HTTP und das API zur Verfügung, und unsere Umgebung dient auch lediglich dazu, die Funktionen zu demonstrieren – nicht, um damit praktisch zu arbeiten. Damit OnlyOffice auch als Team-Arbeitsplatz mit Zugriffsrechten und einem zentralen Dokumentenspeicher arbeitet, braucht es einen Wrapper, der das Benutzermanagement, die Zugangskontrollen und den Cloudspeicher übernimmt. Eine sehr populäre Infrastruktur hierfür ist Nextcloud.
Zusammenspiel von OnlyOffice und Nextcloud
Nextcloud ging 2016 aus Owncloud hervor, als OwnCloud Inc. sich entschied, einen Schwerpunkt auf kostenpflichtige Enterprise-Features zu setzen, die es der Community-Edition vorenthielt. Die ursprünglichen Entwickler verließen daraufhin Owncloud und bauten mit Nextcloud einen Fork, der sich wieder stärker der Community widmet. In den vergangenen Jahren hat vor allem das Angebot für Nextcloud-Plug-ins zugenommen, darunter auch Office-Werkzeuge. Nextcloud integriert standardmäßig das sogenannte Nextcloud Office. Dieses Paket basiert auf dem LibreOffice-Server sowie Collabora. Nextcloud hat die Optik angepasst, sodass diese LibreOffice-Version zur Nextcloud-Oberfläche passt. Optional können IT-Profis anstelle von Nextcloud Office das funktionell sehr ähnliche Collabora nutzen.
Um OnlyOffice mit Nextcloud zu nutzen, stehen Ihnen verschiedene Installationsoptionen offen. Das klassische Setup sieht zwei virtuelle Maschinen vor: eine mit der Nextcloud-Basisinstallation und eine zweite mit OnlyOffice. In Nextcloud aktivieren Sie dann in den Apps die Verbindung zu OnlyOffice und geben dort die URL des OnlyOffice-Docs-Servers und das "JWT_SECRET" an. Optional können Sie OnlyOffice direkt auf demselben System wie Nextcloud betreiben. Allerdings beanspruchen beide Dienste den Port 80: Nextcloud via Apache und OnlyOffice via Nginx. In einer solchen Umgebung müssen Sie OnlyOffice auf einen alternativen Port wie 8080 zwingen und diesen dann auch in der Verbindung zwischen Nextcloud und OnlyOffice verwenden. Diese Option führt zu einer recht fehleranfälligen Umgebung mit zwei per RPM oder APT installierten Webservern auf nur einer VM.
Etwas besser ist die Teil-Containerisierung: Auf dem Nextcloud-Server läuft Podman oder Docker. Nextcloud installieren Sie nativ auf dem Betriebssystem, aber OnlyOffice läuft auf demselben Host im Container. Damit betreiben Sie allerdings ein Technologiedurcheinander aus Containern und einem RPM- oder APT-basierten Setup.
Für diesen Workshop haben wir mit der vollständigen Containerisierung via Podman sehr gute Erfahrungen gemacht. Dabei rollen Sie insgesamt vier Container aus: MariaDB, Redis/Valkey, Nextcloud und OnlyOffice Docs. Um diesen Artikel nicht zur Bleiwüste voller Codeschnipsel verkommen zu lassen, haben wir Ihnen die Skripte für unsere verschiedenen Rollout-Optionen von Nextcloud und OnlyOffice in einem GitHub-Repository [1] zusammengefasst. Damit können Sie Ihren eigenen Rollout-Plan schmieden. Nutzen Sie Podman statt Docker, lässt sich dieses Setup auch geschlossen mit vier Containern in einen einzigen Pod packen. Der nächste Schritt wäre dann, eine solche Infrastruktur auf Kubernetes zu nutzen.
Die Kombination aus OnlyOffice und Nextcloud funktioniert gut, allerdings gibt es hier keine durchgehend gleiche Optik der Benutzeroberfläche von Nextcloud, OnlyOffice und weiteren Plug-ins. In Nextcloud können Sie eine ganze Reihe weiterer Funktionen und Applikationen integrieren, sodass Nextcloud zur universellen Office-Plattform mit Projektplaner, Dokumentenarchiv, Teamkalender und den üblichen Office-Werkzeugen für Texte, Spreadsheets und Präsentationen wird. Das ist aber nicht die einzige Methode, um OnlyOffice über die Cloud zu nutzen.
Bild 2: Im aktuell empfohlenen Setup arbeiten Nextloud (192.168.2.124) und OnlyOffice (192.168.2.16) auf getrennten VMs.
OnlyOffice DocSpace für Kollaboration und Dokumente
Seit 2023 bietet OnlyOffice eine weitere Plattform namens "DocSpace" an, sowohl als SaaS-Angebot als auch als On-Premises-Infrastruktur für Self-Hosted-Setups. Wo "Docs" nur die Web-Office-Applikationen zur Integration in andere Webwerkzeuge wie Nextcloud – übrigens auch integriert in Atlassian Confluence – bereitstellt, liefert DocSpace eine fertige Umgebung. Es ersetzt Nextcloud als Wrapper.
Während Nextcloud als PHP-Applikation noch relativ schlank auftritt, verlangt DocSpace erhebliche Ressourcen. Für ein Self-Hosted-Setup setzt die Umgebung eine virtuelle Maschine oder einen Host mit acht CPUs und 16 GByte RAM voraus. Das Installationsskript bevorzugt ein Docker-Rollout, funktioniert aber auch mit RPM- oder DEB-Paketen. Zudem gibt es ein Helm-Chart, um den Document-Server auf Kubernetes auszurollen. In Vorbereitung muss der Admin dazu zunächst einige Basisdienste und Konfigurationen im Cluster bereitstellen, wie beispielsweise eine RWM-Storage-Klasse (Read-Write-Many, wie NFS oder CephFS), RabbitMQ, Redis und eine MariaDB- oder PostgreSQL-Datenbank. Den Rest installieren Sie via Helm.
Für unsere Umgebung nutzen wir eine Debian-13-VM mit den geforderten 16 GByte RAM und acht CPUs. Eine minimale OS-Basisinstallation genügt, denn das Installationsskript richtet alle benötigten Werkzeuge wie Docker selbstständig ein:
Die Installation läuft eine Zeit lang, und nach dem Abschluss startet der Document-Server eine stattliche Umgebung mit rund 36 Containern. Neben bekannten Werkzeugen wie MariaDB, RabbitMQ, Redis, Nginx, Router und Proxy verteilt der Document-Server seine Arbeit auf separate Container wie beispielsweise File-Management, API, Auth, Backup, MCP oder SDK. Mittendrin findet sich auch OpenSearch.
Das Web-UI des Document-Servers ist schlicht und funktionell. Das System bietet ein integriertes Benutzermanagement, kann sich aber auch mit LDAP- oder SSO-Diensten verbinden. Überhaupt finden sich eine ganze Reihe von Plug-ins im Admin-Panel. DocSpace kann unter anderem bestehende Cloud-Datendienste wie Box, Dropbox, OneDrive, Amazon S3 oder Google Workspace anzapfen und damit Daten austauschen. Ein Zoom-Plug-in verbindet den Document-Server mit Videokonferenzen. Spärlicher sieht es bei der Chatintegration aus: Hier gibt es nur Telegram oder das vom chinesischen Staat überwachte WeChat. Westliche Werkzeuge wie Slack, Rocket.Chat oder WhatsApp fehlen.
Der DocSpace integriert einen Formatkonverter und das oben genannte OpenSearch. Laden Sie Dokumente in einem unterstützten, aber nicht nativen Office-Format hoch, wie beispielsweise ein EPUB oder ODF, konvertiert der Document-Server dieses Dokument im Hintergrund automatisch in ein bearbeitbares DOCX-File. Zudem indiziert das Werkzeug alle hochgeladenen Dokumente. In der Suchleiste können Anwender einfach ein Schlüsselwort eintippen, und der Document-Server listet die Dokumente auf, in denen die Schlüsselwörter vorkommen.
Bild 3: Mit dem integrierten OpenSearch verschlagwortet DocSpace alle Dateien. Nutzer können nach Texten suchen und bekommen als Ergebnis eine Liste der Dokumente, die das Gesuchte enthalten.
Räume für die Zusammenarbeit aufbauen
DocSpace organisiert die Kollaborationsfunktionen in "Räumen". Das Werkzeug bietet verschiedene Raumtypen an, wie einen "Shared Room", in dem Teams gemeinsam an Dokumenten arbeiten. OnlyOffice erlaubt dabei, dass mehrere Nutzer gleichzeitig in einem Dokument arbeiten. Sie können sich über einen integrierten Chat in Echtzeit abstimmen – weswegen die externe Chatintegration mit Telegram gar nicht nötig ist. Darüber hinaus gibt es einen "Virtuellen Datenraum" mit erhöhter Sicherheit. Dieser schränkt ein, dass Benutzer mit der Rolle "Betrachter" die Dokumente zwar einsehen, aber nicht kopieren oder herunterladen können. Zudem kann DocSpace den Dokumenten Wasserzeichen hinzufügen oder Dokumente mit einem bestimmten Lifecycle versehen, also einem automatischen Löschdatum.
Der "Öffentliche Raum" gibt jedem mit der passenden URL lesenden Zugriff auf die darin enthaltenen Dokumente, auch für Personen, die sich nicht am DocSpace anmelden können. Eine besondere Funktion übernehmen "Räume zum Formularausfüllen". Hier legen Mitarbeiter Formulare im PDF-Format ab, die Externe dann über eine öffentliche URL bearbeiten – ebenfalls ohne am DocSpace angemeldet zu sein. Das Werkzeug sichert ausgefüllte Dokumente zum Review durch Mitarbeiter in einem Unterordner.
Sehr prominent präsentiert DocSpace in der aktuellen Version die Developer-Tools. Es gibt ein JavaScript-SDK, mit dem Entwickler Funktionen von DocSpace wie Räume als iFrame in andere Anwendungen einbetten können. Das Plug-in-SDK mit einer Reihe von Beispielen zeigt, wie Entwickler eigene Plug-ins für DocSpace erstellen. Zudem bietet DocSpace ein ausführlich dokumentiertes API. Ein weiteres Kernelement der Applikation ist die KI-Integration. Via API-Key lassen sich Werkzeuge wie ChatGPT oder Claude (noch kein Gemini) in die Applikation integrieren. Ein eigener MCP-Server sorgt dann dafür, dass die KIs Funktionen von DocSpace steuern können.
Die aktuelle Version 3.6 wirkt sehr fokussiert auf Kollaboration und Dokumentenverwaltung. Der minimalistische Stil gefällt, weil er sich auf das Wesentliche konzentriert. Allerdings sind die Konfigurationsoptionen an einigen Stellen etwas spärlich. Es gibt zum Beispiel zu wenige Optionen, um dem Werkzeug mitzuteilen, wann und in welcher Form es Benachrichtigungen via Telegram oder E-Mail sendet. Die SMTP-Funktion ließ sich in unserem Setup nicht korrekt mit dem eigenen Mailserver koppeln, obwohl dieser sehr wohl eine SMTP-Autorisierung mit TLS unterstützt. Die S3-Integration hat Amazon als Anbieter fest vorgegeben, sodass Anwender keine eigenen S3-Server wie Garage oder ein Rook-S3-Gateway auf Kubernetes verwenden dürfen.
Cloud-Office-Umgebungen im Vergleich
Wie Sie sehen, stehen Ihnen mehrere Optionen zur Auswahl, eine selbst gehostete Cloud-Office-Infrastruktur zu betreiben. Nextcloud als Plattform beherrscht das etwas in die Jahre gekommene LibreOffice/Collabora ebenso wie OnlyOffice. Allerdings wirkt Nextcloud häufig wie eine wild zusammengewürfelte Cloudplattform, die dank Plug-ins irgendwie alles kann, darunter auch Office, was hier jedoch leicht zur Nebensache verkommt. Auch die Integration von Office-Dokumenten mit anderen Apps der Plattform lässt Wünsche offen. Beim Rollout stört ein wenig, dass Nextcloud nach wie vor separate Maschinen für Nextcloud und das angebundene Office präferiert. Das wird das angekündigte EuroOffice mit der direkten Integration in den Nextcloud-Server dann hoffentlich verbessern. Optional stehen containerisierte Rollouts via Podman/Docker oder Kubernetes offen.
Deutlich fokussierter auf den Cloud-Office- Einsatz stellt sich der OnlyOffice DocSpace dar. Scheinbar simple Werkzeuge wie die automatische Verschlagwortung der gesicherten Texte machen Anwendern das Leben sehr viel leichter und sind den größeren Ressourcenaufwand der Plattform auf jeden Fall wert. Allerdings mangelt es auch hier bei den Plug-ins an Optionen, um die bereits vorhandenen Funktionen etwas flexibler zu konfigurieren oder um die Umgebung mit anderen Chatplattformen wie Slack, WhatsApp oder Rocket.Chat zu integrieren. Um in einem lokalen Testsetup die KI-Funktionen auszuprobieren, würde es genügen, ein lokales Modell via Ollama oder LM-Studio anzubinden. Aber auch hier ist die Anbieter-URL für OpenAI im Plug-in fest einprogrammiert, sodass sich gerade die OpenAI-API-kompatiblen Inferenzserver nicht anbinden lassen.
Fazit
Egal, für was sich Admins entscheiden: Die Open-Source-Optionen für Cloud-Office lassen nur wenige Funktionen gegenüber Google Workspace oder Microsoft 365 vermissen. Die Migration zu einem selbst gehosteten Cloud-Office ist ein machbarer und lohnender Schritt in die digitale Souveränität. Die Kombination aus Nextcloud und OnlyOffice bietet eine bewährte Plattform, auch wenn die Trennung von Anwendungs- und Dokumentenservern beim Rollout administrativen Aufwand bedeutet. Mit OnlyOffice DocSpace steht zudem eine spezialisierte Infrastruktur bereit, die moderne Kollaborationsfunktionen wie sichere virtuelle Datenräume und automatische Dateikonvertierung nativ mitbringt.